Von Ebern bis Coburg: Regionale Tageszeitungen verlieren weiter Leser/innen

Die hiesigen Tageszeitungen haben im 1. Quartal 2026 erneut an verkaufter Auflage verloren. Das zeigt ein Vergleich der aktuellen IVW-Zahlen [➚] mit dem 1. Quartal des Vorjahres. Betroffen sind alle untersuchten Titel. Wie stark die Rückgänge ausfallen, unterscheidet sich allerdings deutlich. Aus regionaler Sicht lohnt sich dabei vor allem der Blick auf die drei Zeitungen, die im Landkreis Haßberge vertreten sind. Der Fränkische Tag erscheint im Landkreis mit seiner Ausgabe E, u.a. für Ebern, Eltmann und Zeil am Main. Hinzu kommt die Neue Presse, die seit 2024 nicht mehr mit einer eigenen Haßberge-Ausgabe auf dem Markt ist. Stattdessen erscheint eine gemeinsame Ausgabe „Coburg/Haßberge“. Erweitert wird das Angebot durch die „Main-Post Haßberge“. Deren gedruckte Ausgabe trägt je nach Verbreitungsgebiet die Kopftitel „Haßfurter Tagblatt“ oder „Bote vom Haßgau“ (Bereich Hofheim i.Ufr.). Inhaltlich unterscheiden sich beide Ausgaben jedoch nicht. Im Internet wird das Angebot ausschließlich...

Hilferuf aus Ebern: Aktionstag soll Geschäfte in der Kapellenstraße retten


In Teilen der Altstadt von Ebern rumort es, und zwar wegen einer Baustelle. Oder besser gesagt: wegen vieler Baustellen. Die Kapellenstraße, eine wichtige Geschäftsstraße, leidet unter einer zu geringen Kundenfrequenz. Nun haben sich einige Geschäftsleute zusammengetan und rufen zum Aktionstag „Rettet die Geschäfte!“ auf, der am Samstag, 19.4.25 stattfinden soll. Mit einem Appell wenden sie sich an die Bürgerinnen und Bürger: „Wenn wir unsere Geschäfte behalten wollen, müssen wir auch dort einkaufen – und zwar jetzt!“ Die Lage scheint ernst zu sein, vielleicht sogar dramatisch.

Die Kapellenstraße ist durch kleine inhabergeführte Läden geprägt, ein Buchgeschäft, eine Schneiderei, ein Café und drei Restaurants – charmante Gegenstücke zu großen Ketten. Einige Inhaber wünschen sich wieder mehr Umsatz. Monatelange Bauarbeiten schreckten offenbar die Kundschaft ab. Wo früher ein kurzer Abstecher in die Altstadt reichte, stehen heute Absperrungen, Umleitungsschilder und Baumaschinen im Weg.

Bereits im Herbst und Winter war die Kapellenstraße sieben Monate lang voll gesperrt – wegen eines privaten Hausneubaus. Ironischerweise soll die winterliche Witterung den zügigen Baufortschritt beeinträchtigt haben. Und so sorgte die Entscheidung in der Stadt für viel Kopfschütteln. Gerade in den umsatzschwachen Wintermonaten hätten die Geschäfte auf Laufkundschaft dringend angewiesen sein müssen. Stattdessen herrschte auf der Straße manchmal gähnende Leere.

Seit Kurzem ist zumindest die obere Kapellenstraße wieder frei. Doch wer glaubt, das bringe Erleichterung, der irrt. Denn jetzt ist der untere Teil voll gesperrt – diesmal wegen Kanalbauarbeiten. Damit ist die Straße weiterhin für viele Autofahrer nicht oder nur schwer erreichbar. Auch die vorherige Ampelregelung im Bereich Stadtberg/Kapellenstraße, die wegen der Sanierung der Xaver-Mayr-Galerie eingerichtet worden war, hatte bereits für Probleme gesorgt. Das Ergebnis: weniger Besucher, weniger Kunden, weniger Umsatz.

„Wir kämpfen ums Überleben“, sagt eine Ladenbesitzerin. „Viele denken, die Straße sei komplett dicht. Dabei sind wir da – wir haben offen.“ Um das zu zeigen, soll der Aktionstag am 19.4.25 ein deutliches Zeichen setzen. Von 9:30 Uhr bis 12:30 Uhr wird es im Garten des Cafés Wagner einen Kinderflohmarkt geben – eine Idee, die Familien anlocken und die Straße wieder mit Leben füllen soll.

Doch das ist nicht alles: Wer in einem der teilnehmenden Geschäfte einkauft und mehr als 10 Euro ausgibt, erhält ein Los. Zu gewinnen gibt es verschiedene Preise – ein zusätzlicher Anreiz, sich trotz Umleitung und Baustelle in die Innenstadt zu begeben. Die Hoffnung der Geschäftsleute: Wer einmal wieder den Weg in die Kapellenstraße gefunden hat, kommt auch in Zukunft wieder.

Wie groß das Ausmaß der Misere ist, lässt sich schwer in genauen Zahlen beziffern – aber ein Blick in die Straße spricht Bände. Das letzte Geschäft, das hier schließen musste, war ein Bekleidungshaus. Zwar war es bereits vor Beginn der Vollsperrung aufgegeben worden, doch einige befürchten, es könnte nicht das letzte sein.

In den sozialen Medien ist der Ärger deutlich spürbar. Nutzer kritisieren die langwierigen Bauarbeiten, beklagen die schleppende Kommunikation seitens der Stadt und fragen sich, warum früher Baustellen schneller abgeschlossen werden konnten. Ein Satz fällt dabei immer wieder: „Früher ging das doch alles viel schneller.“

Tatsächlich gab es wohl noch nie eine derart lange Sperrung in der Altstadt von Ebern. Und auch wenn sich manche Anwohner über die neue Ruhe freuen, ist klar: Die Verkehrsberuhigung hat einen hohen Preis. Mit den Autos sind auch die Kunden verschwunden. Und das trifft besonders jene hart, die ohnehin schon mit den Herausforderungen des Einzelhandels kämpfen: Inflation, Onlinehandel, Personalmangel.

Die Verantwortlichen in der Stadt sehen sich mit einer schwierigen Lage konfrontiert. Natürlich sei jede Baustelle notwendig – sei es für den Hausneubau oder die Kanalarbeiten. Doch die Koordination der Maßnahmen, so sagen Kritiker im Internet, sei verbesserungswürdig gewesen. Warum man ausgerechnet in der kalten Jahreszeit mit einem Projekt begann, das im Sommer vielleicht zügiger vorangekommen wäre, erschließt sich nicht jedem.

Auf der Website der Stadt Ebern ist der Appell an die Bürgerinnen und Bürger inzwischen unübersehbar: „Unsere Geschäfte halten – dank der desaströsen Baustellensituation – nicht mehr lange durch!“ Deutliche Worte, die zeigen, wie angespannt die Lage ist.

Doch es gibt auch Zeichen von Solidarität. Stammkunden kommen trotz aller Hindernisse regelmäßig vorbei, bestellen telefonisch oder per Mail, holen Bestellungen zu Fuß oder mit dem Fahrrad ab. „Es geht nicht nur ums Geld“, sagt eine Kundin. „Es geht darum, ob wir in Zukunft noch eine Altstadt mit Geschäften haben oder nicht.“

UPDATE: Die Kapellenstraße soll im Laufe des Mittwochs, 16.4.25, wieder durchgängig befahrbar sein.

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