Laut Schätzungen des RWI Leibniz-Instituts [➚] könnten durch die „Umstrukturierung“ der Krankenhauslandschaft bis zum Jahr 2035 jährlich rund neun Milliarden Euro in gesetzlicher und privater Krankenversicherung eingespart werden. Hintergrund sind stark steigende Gesundheitsausgaben, denen mit weniger, dafür größeren und effizienteren Kliniken begegnet werden soll. Nach Berechnungen von Christian Karagiannidis [➚] und Boris Augurzky [➚] wären langfristig etwa 1.000 Krankenhausstandorte ausreichend, um eine flächendeckende Versorgung sicherzustellen. Rein theoretisch könnten sogar deutlich weniger Kliniken genügen, so ihre Einschätzung. Große Häuser sollen zunehmen, während kleine und mittelgroße Kliniken deutlich abgebaut würden. Um dieses Ziel bis 2035 zu erreichen, wären Investitionen von rund 64 Milliarden Euro nötig. Für die gesetzlichen Krankenversicherungen könnte dies spürbar niedrigere Beitragssätze bedeuten, begleitet durch weniger stationäre Behandlungen und mehr ambulante Versorgung, so die Vorstellung.
Dazu eine Pressemitteilung der „Aktionsgruppe Schluss mit Kliniksterben in Bayern“, Klaus Emmerich, Klinikvorstand i.R.:
„Es geht hier nicht um Kosteneinsparungen bei bundesdeutschen und bayerischen Krankenhäusern. Vorrangig ist die bundesweite und bayernweite Abdeckung bedarfsnotwendiger Allgemeinkrankenhäuser einschließlich Basisnotfallversorgung binnen 30 Fahrzeitminuten, um Leben in akuter Notlage zu retten.
Dieser Standard wird allein in 160 bayerischen Postleitzahlregionen verletzt.“ Der Ansatz von Prof. Dr. Karl Lauterbach, RWI und Prof. Dr. Christian Karagiannidis mit nur 1.000 deutschen Allgemeinkrankenhäusern lässt folgende Fragen unbeantwortet:
1. Wie funktioniert in Zukunft die klinische Erstversorgung lebensbedrohlich Erkrankter und Verletzter in ländlichen Regionen, wenn die Fahrzeit zum hochspezialisierten Krankenhaus nicht ausreicht?
2. Wie sollen sich nur noch 1.000 Allgemeinkrankenhäuser ausreichend für Pandemien und Kriegsgefahren rüsten? Die bundesweiten Verlegungen von Corona-Patienten/-innen haben aufgezeigt, dass bereits heute notwendige Vorsorgekapazitäten fehlen.
3. Wie soll man sich zukünftig die klinische Versorgung von Senioren und insbesondere Dementen vorstellen, wenn sie hunderte Kilometer von ihrer Heimat abgeschnitten werden? Wir kritisieren die „Entmenschlichung“ klinischer Versorgung in Deutschland und Bayern.
Hände weg von einem flächendeckenden Kliniksterben in Deutschland und Bayern!
Himmelkron, 05.02.26, Pressemitteilung [➚] der „Aktionsgruppe Schluss mit Kliniksterben in Bayern“

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