Kreistagswahl: Wie der Altkreis Ebern nach der Klinik-Schließung abgestimmt hat


Als in der Stadt Ebern die Stimmen für die Kreistagswahl 2026 ausgezählt wurden, fiel ein Name besonders auf: Marion Müller. Die CSU-Politikerin erhielt in der Stadt 5.699 Stimmen und wurde damit zur klaren Stimmenkönigin der Eberner Wählerinnen und Wähler für den Kreistag des Landkreises Haßberge. Das Ergebnis kam zu einem Zeitpunkt, an dem die Diskussion um die Zukunft der medizinischen Versorgung in der Region noch immer nachwirkte. Denn erst wenige Wochen zuvor war zum 31.12.25 das Krankenhaus in Ebern geschlossen worden – ein Schritt, der vom Verwaltungsrat der Haßberg-Kliniken beschlossen worden war, in dem neben dem Landrat auch Mitglieder des Kreistags sitzen. Das Thema hatte viele Menschen bewegt, und so blickten zahlreiche Bürger/innen gespannt darauf, wie sich die Wahlentscheidung in Ebern und im gesamten Landkreis auswirken würde.

Am 8.3.26 waren im Landkreis Haßberge insgesamt 60 Sitze im Kreistag zu vergeben. Das Gremium bildet das politische Zentrum der Landkreispolitik und entscheidet über zentrale Fragen der regionalen Entwicklung – von Infrastruktur über Finanzen bis hin zur Gesundheitsversorgung. Die Wahl brachte dabei einige Verschiebungen mit sich. Vor allem ein neuer politischer Akteur zog erstmals in das Gremium ein, so dass künftig neun Parteien beziehungsweise Wählergruppen im Kreistag vertreten sind.

Trotz leichter Verluste blieb die CSU im Landkreis die mit Abstand stärkste politische Kraft. Sie erreichte landkreisweit 33,9 Prozent der Stimmen und stellt damit weiterhin die größte Fraktion im Kreistag. Im Vergleich zur Wahl vor sechs Jahren bedeutete dies zwar ein Minus von 1,44 Prozentpunkten, doch in der Sitzverteilung behauptete die Partei mit 20 Mandaten weiterhin eine dominante Rolle. Dahinter folgen die Freien Wähler beziehungsweise Wählergemeinschaften mit 15,5 Prozent der Stimmen und künftig neun Sitzen im Kreistag. Auch sie mussten leichte Einbußen hinnehmen.

Die SPD kam auf 11,9 Prozent und stellt künftig sieben Kreisräte. Die Grünen erreichten 8,2 Prozent und verfügen über fünf Sitze. Ebenfalls fünf Mandate gehen an die Junge Liste, die landkreisweit 7,7 Prozent der Stimmen erhielt. Kleinere Gruppierungen bilden künftig die FDP / Freie Bürger mit zwei Sitzen, ebenso wie die ÖDP. Die Partei Die Linke konnte leicht zulegen und stellt künftig zwei Kreisräte. Neu im Kreistag vertreten ist zudem eine weitere politische Gruppierung (AfD), die auf Anhieb acht Mandate gewann und damit das Kräfteverhältnis im Gremium deutlich verändert.

Der Einzug dieser neuen Fraktion hatte unmittelbare Auswirkungen auf die Sitzverteilung. Mehrere Parteien mussten Mandate abgeben. Besonders deutlich traf es SPD sowie FDP / Freie Bürger, die jeweils zwei Sitze verloren. Auch die Freien Wähler büßten ein Mandat ein, ebenso CSU, Grüne, Junge Liste und ÖDP. Auf der anderen Seite gewann Die Linke einen zusätzlichen Sitz hinzu.

Bemerkenswert war die hohe Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an der Wahl. Durchschnittlich gut 72 Prozent der Wahlberechtigten im Landkreis machten von ihrem Stimmrecht Gebrauch. Damit lag die Beteiligung höher als noch bei der Wahl sechs Jahre zuvor. Allerdings gab es deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Städten und Gemeinden. Während in Ebern mit 74,8 Prozent eine überdurchschnittlich hohe Beteiligung verzeichnet wurde, lag sie in Zeil am Main bei 64,3 Prozent. In Haßfurt gingen sogar nur 61,9 Prozent der Wahlberechtigten an die Urnen.

Auch bei den persönlichen Stimmenzahlen gab es klare Spitzenreiter. Die meisten Stimmen für einen Kreistagskandidaten erhielt der künftige Landrat Michael Ziegler von der CSU. Für ihn votierten landkreisweit 42.836 Wählerinnen und Wähler (für den Kreistag, Unterschied zur Landratswahl). Zu beachten ist dabei, dass bei der Kreistagswahl jeder Bewerber bis zu drei Stimmen erhalten konnte. Auf den zweiten Platz kam ebenfalls ein CSU-Politiker: der Landtagsabgeordnete Steffen Vogel, der 38.745 Stimmen erreichte. Den dritten Rang belegte die Bundesministerin Dorothee Bär mit 32.414 Stimmen.

Michael Ziegler war in Ebern weniger erfolgreich als Wilhelm Schneider 2020

Michael Ziegler hatte nicht nur bei der Kreistagswahl ein starkes Ergebnis erzielt. Auch bei der Landratswahl setzte er sich deutlich durch. Der bisherige Bürgermeister der Stadt Eltmann erhielt landkreisweit 64,9 Prozent der Stimmen und tritt damit die Nachfolge von Wilhelm Schneider an, der seit 2014 Landrat gewesen war und 2026 nicht mehr kandidierte. Verglichen mit der Landratswahl von 2020, als Wilhelm Schneider (damals 68,2 Prozent) für die CSU angetreten war, bedeutete dies allerdings ein Minus von 3,3 Prozentpunkten. Interessant ist ein Blick auf die Ergebnisse in den einzelnen Gemeinden. In Ebern erhielt Michael Ziegler bei der Landratswahl 2.650 Stimmen, was einem Anteil von 61,7 Prozent und einem Verlust von minus 16,72 Prozentpunkten (im Vergleich zu Wilhelm Schneider im Jahr 2020 mit 78,42 Prozent in Ebern) entspricht.

Wilhelm Schneider selbst hatte sich bei der Wahl 2026 auf ungewöhnliche Weise noch einmal um einen Sitz im Kreistag beworben. Er kandidierte auf dem letzten Listenplatz der CSU, also auf Platz 60. Ein solcher Platz gilt üblicherweise als aussichtslos. Dennoch gelang ihm der Einzug ins Gremium. Kreisweit erhielt er 19.178 Stimmen und sicherte sich damit erneut ein Mandat. Beobachter führten dieses Ergebnis auch darauf zurück, dass der langjährige Landrat in den Monaten vor der Wahl sehr präsent in den regionalen Medien gewesen ist. Berichte über Messebesuche, Spendenübergaben oder Gratulationen zu verschiedenen Anlässen hätten ihn regelmäßig in einem positiven Licht gezeigt.

In der Stadt Ebern erhielt Wilhelm Schneider immerhin noch 1.844 Stimmen für seine Kandidatur als Kreisrat. Damit belegte er auf der CSU-internen Stimmenliste in der Stadt den zwölften Platz. Dass er dort dennoch eine beachtliche Stimmenzahl erreichte, überraschte einige Beobachter, da er in seiner Amtszeit eine aktive Rolle bei der Entscheidung zur Schließung des Eberner Krankenhauses gespielt hatte.

Online-Petition

Die Debatte um das Krankenhaus hatte im Vorfeld der Wahl für intensive Diskussionen gesorgt. Im Sommer 2025 hatte eine Online-Petition [➚] mit dem Titel „Erhalt der Haßberg-Klinik Ebern und Wiedereröffnung der stationären Chirurgie“ zahlreiche Unterstützer gesammelt. Über die Plattform OpenPetition wurden damals auch alle Mitglieder des Kreistags aufgefordert, öffentlich Stellung zu beziehen. Allerdings antworteten nur fünf Kreisräte.

Unter ihnen war Isabell Zimmer von der CSU, die damals erklärte, sie würde einen Antrag zum Thema Krankenhaus Ebern im Kreistag unterstützen, sofern sich genügend weitere Vertreter anschlössen. Zudem sprach sie sich für eine öffentliche Anhörung im Fachausschuss sowie im Plenum aus. Bei der Kreistagswahl erzielte sie in der Stadt Ebern 5.669 Stimmen und gehörte damit zu den erfolgreichsten Bewerbern aus der Region.

Eine andere Position vertrat damals Kreisrat Heinrich Goschenhofer von der FDP beziehungsweise den Freien Bürgern. Er erklärte, er lehne den Erhalt des Eberner Krankenhauses ab. Als Gründe nannte er unter anderem eine aus seiner Sicht unzureichende Auslastung der Inneren Abteilung sowie hohe Defizite für den Landkreis. Goschenhofer trat bei der Wahl 2026 allerdings nicht mehr an.

Auch Stefan Zettelmeier von der ÖDP hatte sich gegen den Fortbestand des Krankenhauses ausgesprochen, wenn auch mit einer differenzierten Begründung. Er erklärte, er hätte die stationäre Versorgung in Ebern zwar grundsätzlich gerne erhalten, sehe jedoch die finanziellen und strukturellen Probleme kleiner Krankenhäuser. Kommunale Entscheidungsträger stünden seiner Ansicht nach häufig zwischen dem Wunsch nach wohnortnaher Versorgung und den begrenzten finanziellen Möglichkeiten. Bei der Kreistagswahl erreichte er in Ebern 180 Stimmen.

Günther Werner von den Freien Wählern, damals Bürgermeister von Haßfurt, hatte ebenfalls erklärt, er halte die Schließung aus wirtschaftlichen Gründen für unausweichlich. Er kandidierte erneut für den Kreistag, schaffte jedoch den Wiedereinzug nicht. In Ebern erhielt er 243 Stimmen.

Thomas Stadelmann von der SPD, zum damaligen Zeitpunkt Bürgermeister von Zeil am Main, hatte sich ebenfalls gegen den Erhalt des Krankenhauses in Ebern ausgesprochen, ohne seine Entscheidung näher zu begründen. In Ebern erhielt er bei der Kreistagswahl 606 Stimmen und gehört nun weiterhin dem Kreistag an.

Auch weitere Kreisräte hatten sich im Zuge der Krankenhausreform kritisch zum Standort Ebern geäußert. So hatte sich zum Beispiel der Grünen-Politiker Harald Kuhn gegen den Fortbestand ausgesprochen und erhielt in Ebern nur 234 Stimmen. Bernhard Jilke von FDP / Freien Bürgern, der ebenfalls nicht zu den Unterstützern des Eberner Krankenhauses zählte – er ließ wie die meisten anderen Kreisräte die Anfrage von OpenPetition unbeantwortet – kam in Ebern auf magere 146 Stimmen. Trotzdem wird er wie auch Harald Kuhn dem neuen Kreistag wieder angehören, mit Stimmen aus dem Altkreis Haßfurt.

Neben diesen Debatten blieb eine andere Beobachtung im neuen Kreistag kaum zu übersehen: Das Gremium ist weiterhin deutlich männlich geprägt. Von den 60 gewählten Mitgliedern sind lediglich 16 Frauen. Nur eine Fraktion erreichte ein ausgeglichenes Verhältnis: Bei den Freien Wählern verteilen sich die Sitze auf jeweils vier Frauen und vier Männer. In der CSU-Fraktion sind neun der 20 Gewählten Frauen. SPD, Grüne und Junge Liste verfügen jeweils über eine sogenannte Quotenfrau.

Ein Blick auf einzelne Kandidaten zeigt zudem, dass viele bekannte Namen erneut in den Kreistag eingezogen sind. Eine deutliche Verjüngung des Gremiums blieb daher weitgehend aus.

Wiedergewählt

Zu den wiedergewählten Kreisräten gehört auch Jürgen Hennemann von der SPD. Sein Ergebnis sorgte in der Region für Aufmerksamkeit, weil er parallel die Bürgermeisterwahl in Ebern deutlich verloren hatte. Dennoch konnte er sich auf Landkreisebene erneut ein Mandat sichern.

Insgesamt erhielt Jürgen Hennemann 11.453 Stimmen für seine Kandidatur als Kreisrat. Die Stimmen verteilen sich auf zahlreiche Gemeinden im Landkreis. Den größten Anteil steuerte dabei seine Heimatstadt Ebern bei, aus der 3.393 Stimmen kamen. Auch aus Maroldsweisach erhielt er mit 1.124 Stimmen eine vergleichsweise große Unterstützung. Weitere größere Beiträge kamen aus Haßfurt mit 840 Stimmen, aus Untermerzbach mit 711 sowie aus Pfarrweisach mit 627 Stimmen.

Betrachtet man die Herkunft seiner Stimmen nach den historischen Altlandkreisen, zeigt sich ein klares Bild. Der heutige Landkreis Haßberge setzt sich aus Großteilen der früheren Landkreise Ebern, Hofheim i.Ufr. und Haßfurt zusammen. Besonders stark war Jürgen Hennemann im Gebiet des ehemaligen Landkreises Ebern. Neben der Stadt Ebern selbst erhielt er dort auch in Maroldsweisach, Untermerzbach, Pfarrweisach und Rentweinsdorf vergleichsweise viele Stimmen.

Im Gebiet des früheren Landkreises Haßfurt fiel die Unterstützung deutlich geringer aus, wenngleich auch dort einzelne Gemeinden größere Beiträge lieferten. In Haßfurt selbst kamen 840 Stimmen zusammen, in Sand am Main 345 sowie in Ebelsbach 472 Stimmen. Deutlich schwächer schnitt er dagegen in kleineren Gemeinden wie Wonfurt oder Gädheim ab.

Im ehemaligen Landkreis Hofheim i.Ufr. lagen die Stimmenzahlen ebenfalls eher im unteren Bereich. Aus Königsberg kamen 388 Stimmen, aus Hofheim 287 und aus Burgpreppach 265. In kleineren Gemeinden wie Bundorf oder Aidhausen lag die Unterstützung sogar deutlich unter hundert Stimmen.

Dieses Bild zeigt, dass Jürgen Hennemann besonders in seinem unmittelbaren regionalen Umfeld punkten konnte, während die Unterstützung in weiter entfernten Teilen des Landkreises deutlich geringer ausfiel.

Während sich nun der neue Kreistag konstituiert, bleibt abzuwarten, wie sich die politischen Kräfteverhältnisse in der Praxis entwickeln werden. Fest steht, dass zahlreiche bekannte Gesichter weiterhin an den Entscheidungen im Landkreis Haßberge mitwirken werden.

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