Von Ebern bis Coburg: Regionale Tageszeitungen verlieren weiter Leser/innen


Die hiesigen Tageszeitungen haben im 1. Quartal 2026 erneut an verkaufter Auflage verloren. Das zeigt ein Vergleich der aktuellen IVW-Zahlen [➚] mit dem 1. Quartal des Vorjahres. Betroffen sind alle untersuchten Titel. Wie stark die Rückgänge ausfallen, unterscheidet sich allerdings deutlich. Aus regionaler Sicht lohnt sich dabei vor allem der Blick auf die drei Zeitungen, die im Landkreis Haßberge vertreten sind.

Der Fränkische Tag erscheint im Landkreis mit seiner Ausgabe E, u.a. für Ebern, Eltmann und Zeil am Main. Hinzu kommt die Neue Presse, die seit 2024 nicht mehr mit einer eigenen Haßberge-Ausgabe auf dem Markt ist. Stattdessen erscheint eine gemeinsame Ausgabe „Coburg/Haßberge“. Erweitert wird das Angebot durch die „Main-Post Haßberge“. Deren gedruckte Ausgabe trägt je nach Verbreitungsgebiet die Kopftitel „Haßfurter Tagblatt“ oder „Bote vom Haßgau“ (Bereich Hofheim i.Ufr.). Inhaltlich unterscheiden sich beide Ausgaben jedoch nicht. Im Internet wird das Angebot ausschließlich unter dem Namen „Main-Post Haßberge“ geführt.

In die ausgewerteten Zahlen fließen meist sowohl gedruckte Exemplare als auch digitale Verkäufe ein. Verglichen wurden jeweils die Werte des 1. Quartals 2026 mit denen des 1. Quartals 2025.

Für den Fränkischen Tag, Ausgabe E, ergibt sich erneut ein spürbarer Rückgang. Die verkaufte Auflage sank innerhalb eines Jahres von 3.266 auf 3.038 Exemplare. Das entspricht einem Minus von 6,98 Prozent. Damit setzt sich die Entwicklung der vergangenen Jahre fort. Im 1. Quartal 2019 wurden noch 4.808 Exemplare verkauft. Seitdem ist die Auflage Jahr für Jahr zurückgegangen.

Gerade für Ebern und den östlichen Landkreis Haßberge besitzt diese Entwicklung besondere Bedeutung. Hier liegt das angestammte Verbreitungsgebiet der Ausgabe E. Viele Leserinnen und Leser verbinden mit ihr seit Jahrzehnten die lokale Berichterstattung aus ihrer Heimatregion.

Noch deutlicher fällt der Rückgang bei der Neuen Presse Coburg/Haßberge aus. Die verkaufte Auflage verringerte sich von 9.349 auf 8.438 Exemplare. Das entspricht einem Minus von 9,74 Prozent. Damit verzeichnet die Zeitung im Vergleich aller betrachteten Titel den stärksten prozentualen Rückgang.

Die Veränderungen bei der Neuen Presse reichen allerdings bereits einige Jahre zurück. Seit 2024 gibt es keine eigenständige Haßberge-Ausgabe mehr. Bis dahin erschien auch eine Ausgabe für Ebern beziehungsweise den Landkreis Haßberge. Im 1. Quartal 2024 lag deren verkaufte Auflage noch bei 1.235 Exemplaren. Danach wurde sie in die neue gemeinsame Ausgabe Coburg/Haßberge integriert.

Wie sich diese Umstellung auf die Bindung der Leserinnen und Leser ausgewirkt hat, lässt sich aus den Verkaufszahlen allein nicht ableiten. Denkbar ist jedoch, dass die inzwischen deutlich größere Berichterstattungsregion nicht alle Abonnentinnen und Abonnenten gleichermaßen anspricht. Die Zeitung berichtet heute über ein Gebiet, das von Coburg bis weit in den westlichen Landkreis Haßberge reicht. Ereignisse aus Gemeinden wie Theres oder Rauhenebrach dürften für viele Leserinnen und Leser im Raum Ebern oder in Memmelsdorf i.Ufr. oftmals eine geringere Rolle spielen. Auch dürfte nicht jeder wissen, wo zum Beispiel Happertshausen (im nordwestlichen Landkreis Haßberge) liegt. Eine genauere Analyse, welche Themen die Leserschaft besonders interessieren, könnte weitere Hinweise liefern.

Den geringsten Rückgang unter den drei im Landkreis Haßberge erscheinenden Tageszeitungen verzeichnet die Main-Post Haßberge. Die verkaufte Auflage ging von 4.956 auf 4.683 Exemplare zurück. Das entspricht einem Minus von 5,51 Prozent und damit dem niedrigsten Wert im Vergleich der drei Tageszeitungen.

Für diese Entwicklung kommen mehrere Gründe in Betracht. Die Main-Post ist die einzige Tageszeitung im Landkreis Haßberge, die weiterhin eine Redaktion vor Ort (in Haßfurt) unterhält. Die unmittelbare Nähe zu Vereinen, Kommunen und Veranstaltungen könnte sich positiv auf die Bindung der Leserinnen und Leser auswirken. Gleichzeitig hat die Zeitung ihre Berichterstattung in den vergangenen Jahren schrittweise auf den östlichen Landkreis Haßberge ausgeweitet. Dadurch dürfte sie vornehmlich bei den digitalen Angeboten einige zusätzliche Abonnements gewonnen haben.

Traditionell liegen die Verbreitungsschwerpunkte dieser Zeitungen in unterschiedlichen Teilen des Landkreises. Der Fränkische Tag und die Neue Presse sind vor allem im östlichen Landkreis Haßberge mit Ebern verwurzelt. Die Main-Post besitzt ihre klassischen Verbreitungsgebiete dagegen rund um Haßfurt im Südwesten sowie im Raum Hofheim i.Ufr. im Nordwesten des Landkreises. Inzwischen überschneiden sich die Berichterstattungsgebiete jedoch deutlich stärker als früher. Dadurch ist auch der Wettbewerb um die Leserinnen und Leser intensiver geworden.

Ein Blick über die Landkreisgrenzen hinaus zeigt ein ähnliches Bild. Das Obermain-Tagblatt verringerte seine verkaufte Auflage innerhalb eines Jahres von 8.441 auf 8.057 Exemplare. Das Minus beträgt 4,55 Prozent. Damit fällt der Rückgang geringer aus als bei den meisten anderen regionalen Tageszeitungen.

Anders entwickelt sich die Ausgabe D des Fränkischen Tags für Lichtenfels und Bad Staffelstein. Dort sank die verkaufte Auflage von 1.701 auf 1.540 Exemplare. Mit einem Minus von 9,47 Prozent gehört diese Ausgabe ebenfalls zu den größten Verlierern im regionalen Vergleich.

Gerade in Coburg und im Landkreis Lichtenfels ist der Konkurrenzdruck besonders groß. Im Raum Coburg erscheinen sowohl die Neue Presse als auch das Coburger Tageblatt. Im Landkreis Lichtenfels konkurrieren das Obermain-Tagblatt sowie der Fränkische Tag mit seiner Ausgabe für Lichtenfels und Bad Staffelstein um die selbe Leserschaft. Diese Wettbewerbssituation dürfte ebenfalls Einfluss auf die Entwicklung der verkauften Auflage haben.

Auch das Coburger Tageblatt musste weitere Einbußen hinnehmen. Die verkaufte Auflage sank innerhalb eines Jahres von 7.882 auf 7.315 Exemplare. Das entspricht einem Rückgang von 7,19 Prozent. Seit 2019 hat die Zeitung damit mehrere tausend verkaufte Exemplare eingebüßt.

Die größte Zeitung im Vergleich bleibt der Fränkische Tag mit seiner Bamberger Ausgabe A. Doch auch dort setzte sich der langjährige Rückgang fort. Die verkaufte Auflage verringerte sich von 21.142 auf 19.425 Exemplare. Das entspricht einem Minus von 8,12 Prozent gegenüber dem 1. Quartal 2025. Im Jahr 2019 waren noch 31.976 Exemplare verkauft worden.

Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die regionalen Tageszeitungen weiterhin vor großen Herausforderungen stehen. Die Entwicklung fällt zwar unterschiedlich stark aus, doch keine der betrachteten Zeitungen konnte ihre verkaufte Auflage gegenüber dem Vorjahr steigern. Im Landkreis Haßberge weist die Main-Post den geringsten Rückgang auf. Die Neue Presse Coburg/Haßberge verzeichnet dagegen den höchsten prozentualen Verlust. Der Fränkische Tag, Ausgabe E, bleibt im Raum Ebern zwar eine wichtige regionale Zeitung, setzt jedoch ebenfalls seinen seit Jahren anhaltenden Rückgang fort.

Verändert haben sich inzwischen auch die Eigentumsverhältnisse mehrerer Verlagshäuser. Die Mediengruppe Oberfranken, zu der unter anderem der Fränkische Tag und das Coburger Tageblatt gehören, wurde von der Mediengruppe Bayern übernommen. Die Main-Post gehört zur Mediengruppe Pressedruck mit Sitz in Augsburg. Zu diesem Unternehmensverbund zählt auch das Obermain-Tagblatt. Unabhängig von diesen Veränderungen bleibt der Wettbewerb um die Leserinnen und Leser in der Region groß.

Datenquelle: ivw

 

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