Ebern setzt auf Sonne, bei Windkraft herrscht Flaute

Symbolbild KI

Wie weit der Ausbau erneuerbarer Energien in Ebern vorangekommen ist und wo noch Entwicklungsmöglichkeiten bestehen, zeigt das Klimadashboard [➚] für die Stadt. Die Internetplattform bündelt Daten zu Energie, Mobilität, Heizungen und zur Temperaturentwicklung in der Region. Dabei wird deutlich, dass sich bei der Solarenergie einiges getan hat.

Photovoltaik auf Dächern und Freiflächen

Besonders deutlich zeigt sich der Ausbau bei den Solaranlagen. Nach den Angaben des Klimadashboards gibt es in Ebern 1.015 Photovoltaikanlagen auf Dächern. Sie verfügen zusammen über eine installierte Leistung von 18.700 Kilowattpeak. Allein im erfassten jüngsten Zubau kamen 57 Dachanlagen mit einer Leistung von insgesamt 1.060 Kilowattpeak hinzu. Die Zahlen verdeutlichen, dass die Nutzung von Sonnenenergie nicht nur durch größere Projekte, sondern auch durch Anlagen auf privaten und gewerblichen Gebäuden vorangetrieben wird.

Hinzu kommen 168 Balkonkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 119 Kilowattpeak. Bei dieser Anlagenart wurden zuletzt 29 neue Systeme mit einer Leistung von zusammen 22 Kilowattpeak registriert. Balkonkraftwerke ermöglichen es auch Haushalten ohne eigenes Dach, einen Teil ihres Strombedarfs selbst zu erzeugen.

Neben den Anlagen auf Gebäuden spielen Freiflächen eine wichtige Rolle. Das Dashboard verzeichnet 17 Freiflächenanlagen mit einer installierten Leistung von insgesamt 55.754 Kilowattpeak. Damit liegt deren ausgewiesene Leistung deutlich über der Summe der Dachanlagen. Die Zahlen machen sichtbar, welchen Anteil größere Solarprojekte am Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung in Ebern haben.

Stromspeicher ergänzen die Solarenergie

Auch bei der Speicherung von Strom sind in Ebern Anlagen vorhanden. Das Klimadashboard weist 383 Batteriespeicher in Privathaushalten aus. Ihre Gesamtleistung beträgt 2.080 Kilowatt, die Speicherkapazität liegt bei 3.399 Kilowattstunden. Ergänzt werden sie durch drei gewerbliche Speicher mit einer Leistung von 164 Kilowatt und einer Kapazität von 357 Kilowattstunden.

Batteriespeicher können dazu beitragen, selbst erzeugten Solarstrom zeitversetzt zu nutzen, etwa wenn die Sonne nicht mehr scheint. Wie groß dieser Effekt für die gesamte Stadt ausfällt, lässt sich aus den aufgeführten Zahlen allein allerdings nicht ableiten. Dafür wären unter anderem Angaben zur tatsächlichen Stromerzeugung und zum Verbrauch erforderlich.

Windkraft ohne Anlage

Ein deutlicher Unterschied zeigt sich bei der Windenergie. Nach dem Klimadashboard ist derzeit in Ebern kein Windrad in Betrieb. Während Photovoltaik auf Dächern und Freiflächen bereits einen sichtbaren Platz in der örtlichen Energieversorgung einnimmt, ist die Windkraft damit nicht mehr vertreten.

Die Daten beschreiben den aktuellen Anlagenbestand, enthalten aber keine näheren Angaben zu möglichen Standorten, Planungen oder künftigen Ausbauvorhaben. Ob und in welchem Umfang Windenergie künftig eine Rolle spielen könnte, lässt sich daraus nicht ablesen.

Viele Gebäude heizen weiterhin mit Gas und Öl

Ein weiterer Bereich der örtlichen Klimabilanz ist die Wärmeversorgung. Hier dominieren nach den Angaben des Dashboards weiterhin fossile Energieträger. 1.473 Gasheizungen entsprechen einem Anteil von 41,2 Prozent. Weitere 1.016 Heizungen werden mit Heizöl betrieben; ihr Anteil beträgt 28,5 Prozent.

Zusammengenommen entfallen damit knapp 70 Prozent der erfassten Heizungen auf Gas und Heizöl. Holz wird bei 555 Heizungen als Energieträger aufgeführt, was einem Anteil von 15,5 Prozent entspricht. Strom kommt bei 298 Heizungen zum Einsatz und erreicht einen Anteil von 8,3 Prozent.

Wärmepumpen sowie Solar- und Geothermie werden in einer gemeinsamen Kategorie geführt. Diese umfasst 119 Anlagen beziehungsweise 3,3 Prozent. Fernwärme ist mit 71 Heizungen und einem Anteil von zwei Prozent vertreten. Bei 36 Gebäuden wird keine Heizung ausgewiesen. Drei weitere Heizungen entfallen auf Biomasse und Biogas; Kohle spielt laut der Statistik keine Rolle mehr.

Die Zahlen zeigen, dass der Austausch von Heizungen und der Umstieg auf andere Wärmequellen ein wichtiger Bereich für die weitere Energiewende in Ebern bleiben. Aus der Statistik geht allerdings nicht hervor, wie alt die vorhandenen Heizungen sind oder wann sie voraussichtlich ersetzt werden.

Mehr als 700 Autos je 1.000 Einwohner

Auch die Mobilität gehört zu den Themen des Klimadashboards. Für das Jahr 2024 werden in Ebern insgesamt 5.133 Autos aufgeführt. Das entspricht einer Dichte von 714 Pkw je 1.000 Einwohner. 91,2 Prozent der Fahrzeuge sind privat zugelassen, 8,8 Prozent entfallen auf Firmen.

Eine hohe Pkw-Dichte sagt für sich genommen noch nichts darüber aus, wie häufig die Fahrzeuge tatsächlich genutzt werden oder welche Strecken damit zurückgelegt werden. Sie verdeutlicht aber die Bedeutung des Autoverkehrs im Alltag. Für eine umfassende Bewertung wären ergänzende Daten zum öffentlichen Nahverkehr, zum Radverkehr und zu den täglichen Wegen erforderlich.

Eine Entwicklung lässt sich bei den Antriebsarten im Kreis Haßberge erkennen. Dort ist die Zahl der Elektroautos von 159 Fahrzeugen zum Jahresbeginn 2020 auf 2.367 zum Jahresbeginn 2026 gestiegen. Ihr Anteil erhöhte sich in diesem Zeitraum von 0,3 auf 3,9 Prozent. Auch Hybridfahrzeuge wurden häufiger: Ihre Zahl nahm von 223 auf 2.192 zu. Gleichzeitig sank der Anteil der Benziner von 56,8 auf 52,4 Prozent und jener der Dieselautos von 41,3 auf 37,8 Prozent. Diese Angaben beziehen sich auf den gesamten Kreis Haßberge und nicht allein auf Ebern.

Temperaturdaten mit regionalem Bezug

Das Klimadashboard stellt außerdem Informationen zur Temperatur- und Schneedeckenentwicklung bereit. Für die Auswertung werden Messreihen von Wetterstationen herangezogen, die in der Nähe der ausgewählten Region liegen und möglichst vollständige Aufzeichnungen seit 1960 aufweisen. Die nächstgelegene geeignete Station muss dabei nicht innerhalb des Stadtgebiets liegen.

Für die Temperaturauswertung können unter anderem Daten aus Bamberg, Lautertal-Oberlauter, Ebrach und Bad Königshofen ausgewählt werden. Beim Thema Schneedecke geht es um die Zahl der Tage, an denen am Morgen mindestens ein Zentimeter Schnee gemessen wurde. Solche Messreihen ermöglichen es, langfristige Veränderungen beim Wettergeschehen in der Region zu untersuchen. Sie sind jedoch nicht mit einer Messung direkt im Stadtgebiet gleichzusetzen.

Die Daten des Klimadashboards bieten damit verschiedene Anhaltspunkte für die Entwicklung der Energieversorgung und des Alltags in Ebern. Während bei Photovoltaik und Batteriespeichern bereits ein Bestand erfasst ist, bleiben die Wärmeversorgung und die Mobilität weitere wichtige Bereiche. Bei der Windenergie weist die Statistik derzeit keine Anlage innerhalb des Stadtgebiets aus.


Kommentare