
In Königsberg i.Bay. wird ein ambitioniertes Projekt nach wie vor diskutiert: der Bau eines Naturparkzentrums im Landkreis Haßberge. Während Bürgermeister und Landrat Schneider den Standort an der Thomas-Klingg-Steige vehement unterstützen, regt sich weiter Widerstand in der Bevölkerung. Kritiker bemängeln nicht nur den gewählten Standort, sondern auch die geplante Architektur, die nicht zum historischen Stadtbild passt.
Am 26.9.24 fand in der Königsberger Stadthalle eine Art Werbeveranstaltung für das Projekt statt, zu der der Naturpark Haßberge e.V. eingeladen hatte. Etwa 250 Interessierte waren erschienen, um sich über das geplante Naturparkzentrum zu informieren. Auf YouTube [➚] ist bereits eine Aufzeichnung der Veranstaltung verfügbar.
Die Vorträge, die in einem Leserkommentar der Königsberger Zeitung [➚] als „emotionslos“ und trocken beschrieben wurden, zielten darauf ab, den Bürgern die Vorteile des Zentrums nahezubringen. In einer Präsentation stellte der Geschäftsführer des Naturparks das Konzept vor: Das Naturparkzentrum soll als zentrale Anlaufstelle für „Naturparkbewohner“ und Gäste fungieren und als „Tor zum Naturpark Haßberge“ dienen. Für die Stadt Königsberg wird eine Steigerung der Besucherzahlen von 15.000 bis 25.000 pro Jahr vorhergesagt, was durchschnittlich zwei bis drei Schulklassen pro Tag bedeuten würde. Zum Vergleich: Das Naturkunde-Museum Coburg zog vor der Corona-Pandemie jährlich mehr als 30.000 Besucher an.
Die finanziellen Rahmenbedingungen für das Projekt sind ebenfalls ein heiß diskutiertes Thema. Die Gesamtkosten für den Bau des Naturparkzentrums belaufen sich auf etwa 3,8 Millionen Euro. Der Freistaat Bayern steuert gut 2 Millionen Euro bei, während die Stadt Königsberg und der Landkreis Haßberge jeweils rund 847.000 Euro als Eigenanteil aufbringen müssen. Doch nicht nur der Bau selbst wirft Fragen auf. Auch die laufenden Betriebskosten, die auf rund 296.000 Euro pro Jahr geschätzt werden, belasten die öffentliche Hand. Für diese Kosten sollen drei Mitarbeiter eingestellt werden, die für den Empfang der Gäste zuständig sind. Dies sorgt bei vielen Königsbergern für Unmut, da sie befürchten, dass die Stadt langfristig auf den laufenden Kosten sitzen bleibt.
Ein Bürgerbegehren hat bereits 449 Unterschriften gesammelt, die gegen den geplanten Standort Thomas-Klingg-Steige gerichtet sind. Der Bürgerentscheid, der für den 20.10.24 angesetzt ist, wird darüber entscheiden, ob das Projekt an diesem Standort weiterverfolgt wird. Der Bürgermeister von Königsberg hat bereits angekündigt, eine erneute Bewerbung für einen anderen Standort in der Stadt abzulehnen, sollte der Bürgerentscheid negativ ausfallen. Diese Entscheidung wird jedoch als problematisch wahrgenommen, weil dafür kein triftiger Grund erkennbar ist.
Ein weiterer Streitpunkt ist die geplante Architektur des Naturparkzentrums. Der Bau soll in Beton mit einem Flachdach realisiert werden, was in direktem Widerspruch zur strengen Gestaltungssatzung der Stadt steht. Kritiker befürchten, dass ein solches Gebäude das historische Stadtbild nachhaltig beeinträchtigen könnte. Der Bürgermeister sieht die Notwendigkeit einer Ausnahme von dieser Satzung, was jedoch auf Skepsis stößt. „Wir machen fast jede Woche eine Ausnahme von der Gestaltungssatzung“, äußerte er (Video, Minute 50:20), ohne zu konkretisieren, ob dies tatsächlich im Sinne einer transparenten und gerechten Stadtplanung wäre.
Die Erreichbarkeit des Standorts ist ebenfalls ein wichtiger Punkt, der die Bürger beschäftigt. Der Zugang zur Thomas-Klingg-Steige ist nur über holpriges Pflaster möglich, und die Parkmöglichkeiten befinden sich an ganz anderer Stelle. Viele befürchten, dass das Naturparkzentrum, das vor allem Besucher aus der Region anziehen soll, nicht ausreichend infrastrukturell eingebunden ist. Zusätzlich wird die gastronomische Versorgung in der Umgebung als unzureichend wahrgenommen, was potenzielle Gäste abschrecken könnte.
Insgesamt zeigt die Debatte um das Naturparkzentrum in Königsberg i.Bay. die Spannungen zwischen den politischen Entscheidungsträgern und Teilen der Bevölkerung. Ob der Bürgerentscheid am 20.10.24 eine Wende herbeiführen wird oder ob das Projekt in seiner aktuellen Form weiterverfolgt werden kann, bleibt abzuwarten.
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