Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) [➚] und der Förderverein Steigerwald-Express e.V. rufen die Politik dazu auf, die Reaktivierung der Steigerwaldbahnstrecke zwischen Schweinfurt und Kitzingen neu zu bewerten. Trotz der bisherigen Ablehnung durch die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) sehen die Initiatoren erhebliches Potenzial für die Region – sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr.
Die Bahnstrecke, die Schweinfurt über Gerolzhofen und Wiesentheid mit Kitzingen-Etwashausen verbindet, wurde Ende der 1980er-Jahre stillgelegt. Seitdem wurden große Teile der Gleise abgebaut, und der Personenverkehr durch Buslinien ersetzt. Insbesondere in der CSU [PDF ➚] gibt es starke Widerstände gegen die Reaktivierung der Strecke. Stattdessen werden alternative Konzepte wie ein Fahrradschnellweg oder ein fahrerloses Shuttle vorgeschlagen – letzteres basiert auf einer Technologie, die bislang noch nicht zur Marktreife gelangt ist.
Ein ähnliches Schicksal ereilte auch die ehemalige Bahnstrecke zwischen Ebern und Maroldsweisach. Hier wurde das Areal der alten Strecke teilweise überbaut, so dass eine künftige Reaktivierung unmöglich geworden ist. Der VCD warnt davor, auch im Fall der Steigerwaldbahn eine Chance für kommende Generationen zu verbauen.
Eine 2021 von der BEG veröffentlichte Fahrgast-Potentialanalyse ergab, dass die Strecke die festgelegte Schwelle von 1.000 Personenkilometern pro Kilometer (Pkm/km) Streckenlänge nicht erreicht. Für die Gesamtstrecke wurde ein Wert von 563 Pkm/km ermittelt, wobei der nördliche Abschnitt zwischen Schweinfurt und Gerolzhofen mit 838 Pkm/km deutlich stärker frequentiert wäre als der südliche Teil bis Kitzingen, der nur auf 365 Pkm/km käme. Aufgrund dieser Zahlen wurde die Wiederaufnahme des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) verworfen, und der Kreistag Schweinfurt beendete seine Bemühungen im November 2021.
Der VCD kritisiert diese Entscheidung als vorschnell. Andere bayerische Strecken, wie die Mainschleifenbahn, haben die Schwelle von 1.000 Pkm/km erst nach mehreren Anläufen überschritten. Zudem gibt es Beispiele wie die Strecke Gotteszell – Viechtach, bei der trotz anfänglich niedriger Zahlen eine positive Entscheidung zur Reaktivierung getroffen wurde. Mit dem Deutschlandticket und dem erfolgreichen Bedarfsverkehr „Callheinz“ im Landkreis könnten sich die Rahmenbedingungen inzwischen verbessert haben – was eine Neubewertung rechtfertigt.
Die Steigerwaldbahn könnte eine wichtige Rolle bei der Verkehrsentlastung spielen, insbesondere während der bevorstehenden Brückenneubauten über den Main bei Schweinfurt. Durch einen Pendelverkehr über die vorhandene Eisenbahnbrücke ließen sich die zu erwartenden Staus deutlich verringern.
Auch für den Tourismus und den Güterverkehr bietet die Strecke großes Potenzial. Bereits zwischen 2006 und 2008 wurden touristische Fahrten durchgeführt, die gut angenommen wurden. Gewerbegebiete in Gochsheim, Gerolzhofen und Wiesentheid könnten durch einen Bahnanschluss gestärkt werden – ein klarer Standortvorteil für zukünftige Ansiedlungen.
Dr. Christian Loos, Vorsitzender des VCD-Landesverbands Bayern, betont, dass eine verlässliche Bahnanbindung die Region langfristig stärken würde. Während in anderen Teilen Bayerns durch politischen Willen Strecken erfolgreich reaktiviert wurden, droht der Steigerwald abgehängt zu werden. Eine Entwidmung der Strecke wäre nach Ansicht der Initiatoren eine kurzsichtige Entscheidung gegen die Zukunft der Region.
Die Forderung an die Politik ist daher eindeutig: Die Steigerwaldbahn verdient eine neue, realistische Bewertung, die die veränderten Rahmenbedingungen berücksichtigt und die Chance für eine nachhaltige Mobilitätswende im Steigerwald ermöglicht.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen