Das „Sozialportal Haßberge“ – was Senioren davon haben sollen

Symbolbild KI Mit dem Slogan „Willkommen auf dem Sozialportal Landkreis Haßberge!“ wirbt die Plattform „Sozialportal-Mainfranken.de“ um Nutzerinnen und Nutzer. Sie kündigt an, Informationen, passgenaue Hilfsangebote und Dienstleistungen aus der Region bereitzustellen. Der Anspruch ist hoch: Die Suche nach Unterstützung im Alltag solle einfach, schnell und effizient möglich sein, heißt es in der Projektbeschreibung. Ende November 2025 wurde das Angebot per Bezahlartikel in einer Haßfurter Lokalzeitung als digitaler Helfer angepriesen, der einen umfassenden Überblick über soziale und gewerbliche Dienstleister bieten könne. Die Plattform richte sich demnach an alle Generationen und wolle Orientierung im Alltag geben. Ein Blick auf die tatsächlichen Inhalte der Website wirft jedoch Fragen auf. Unter der Rubrik „Aktuelles“ [➚] findet sich als jüngster Eintrag eine Information zur Asiatischen Tigermücke – datiert auf den 8.12.25. Andere Bereiche wirken noch weniger aktuell: So führt etwa ei...

Seltsames Timing – politischer Aufstieg trifft auf medizinischen Rückzug


Kommentar: Zufälle gibt es, die selbst langjährige Beobachter der Lokalpolitik erstaunen. Im Landkreis Haßberge spielt sich derzeit ein solch seltsamer Vorgang ab: Der neue Landratskandidat der CSU für die Kommunalwahl im März 2026 steht fest: Michael Ziegler, Bürgermeister von Eltmann, soll auf Landrat Wilhelm Schneider (ebenfalls CSU) folgen.

Und: Kaum ist diese Personalie verkündet, folgt wenige Tage später die nächste Meldung – und die hat es in sich: Die Gynäkologie des MVZ Eltmann wird geschlossen. Nicht irgendwann, sondern schon Ende Juli 2025. Der neue Standort: Ebern. Ein Ort, der in den vergangenen Jahren vor allem als Synonym für Stillstand und halbfertige Pläne im Gesundheitswesen galt.

Das MVZ – ein Tochterunternehmen der Haßberg-Kliniken – zieht damit seine Frauenarztpraxis aus dem südlichen Landkreis ab und verlagert sie in das Krankenhausgebäude in Ebern. Dort entsteht nun eine zweite gynäkologische Praxis – in einem Gebäude, das seit Jahren zwischen den Etiketten „Krankenhaus“ und „ambulantes Zentrum“ pendelt.

Dass der Umbau in Ebern bislang kaum Fortschritte machte, zeigt sich nicht zuletzt an der immer noch fehlenden Kurzzeitpflege, die Landrat Schneider bereits vor Jahren versprochen hatte. Dass nun ausgerechnet Eltmann, die Heimatstadt des frisch gekürten CSU-Kandidaten, bei dieser Umstrukturierung Federn lassen muss, wirft Fragen auf.

Michael Ziegler ist kein politischer Neuling. Seit fast zwölf Jahren ist er stellvertretender Landrat im Landkreis Haßberge – zusätzlich zu seinem Amt als Bürgermeister von Eltmann. In der Verwaltung ist er bekannt, in der Bevölkerung weniger – vor allem außerhalb von Eltmann und dem benachbarten Ebelsbach, wo bis 2020 ein weiterer Ziegler – Walter Ziegler von der BNL – Bürgermeister war. Für viele Wählerinnen und Wähler im nördlichen und östlichen Landkreis ist der Name Ziegler bislang eher ein Déjà-vu als ein politisches Programm.

Unter den Augen von Michael Ziegler sind wesentliche Teile der medizinischen Infrastruktur seiner Stadt abhandengekommen. Bereits Mitte März 2025 wurde das MVZ für Unfall- und Chirurgische Medizin in Eltmann geschlossen – ohne großes Aufsehen, ohne nachhaltige Erklärung. Hatte Ziegler als Bürgermeister keinen Einfluss? Oder wurde hier bewusst über Verluste hinweggesehen?

Da wird ein Bürgermeister zum Landratskandidaten gemacht, während seine Stadt strukturell geschwächt wird. Kann das Zufall sein? Oder – wie manche bereits mutmaßen – ist es eine Form politischer Kompensation: Der Aufstieg Zieglers als Trostpflaster für den medizinischen Aderlass in Eltmann?

Die Nominierung eines Landratskandidaten ist immer mehr als nur eine Personalentscheidung. Sie steht für eine Richtung, für einen Stil, für ein Versprechen an die Bevölkerung. Während Ebern nun mit einer zweiten gynäkologischen Praxis ausgestattet wird – ein Gewinn für den Medizin-Standort –, verliert Eltmann erneut. Und auch Ebelsbach sowie andere Orte im südlichen Landkreis Haßberge spüren die Folgen.

Ob sich die Bürgerinnen und Bürger in Eltmann daran erinnern werden, wenn sie im März 2026 zur Wahlurne gehen? Was sich jedenfalls jetzt schon zeigt: Die Krankenhausreform im Landkreis Haßberge ist nicht nur eine medizinische oder wirtschaftliche Angelegenheit. Sie ist hochpolitisch.

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