Bürgermeisterwahl: Wer soll Ebern aus der Krise führen?

Am 8.3.26 wählen die Bürgerinnen und Bürger in Ebern einen neuen Bürgermeister. Zur Wahl stehen mit Jürgen Hennemann (SPD), Harald Pascher (FDP) und Isabell Zimmer (CSU) zwei Männer und eine Frau. Der Wahlkampf verläuft bislang vergleichsweise ruhig. Inhaltlich setzen die drei Kandidaten unterschiedliche Akzente, zugleich gibt es thematische Überschneidungen. Jürgen Hennemann (SPD) Jürgen Hennemann steht seit 2014 an der Spitze der Stadt und bewirbt sich erneut um das Amt. Sein Wahlkampfmotto lautet „Sozial. Fair. Kompetent.“ Auf der Internetseite der SPD erklärt er, er wolle weiterhin eine nachhaltige und zukunftsgerichtete Politik im Sinne sozialdemokratischer Grundwerte gestalten. Inhaltlich spricht Hennemann unter anderem über Maßnahmen zur Klimaanpassung, etwa Regenmulden am Straßenrand, die Bäume gratis mit Wasser versorgen sollen. Zudem bringt er eine Umgestaltung der Windrad-Ruine auf dem Bretzenstein zu einem Aussichtsturm ins Gespräch. Ein Teil seiner Aussagen betrifft die kü...

Kurzzeitpflege Ebern: „Leuchtturm-Projekt“ mit Förderbescheid im Nebel verschwunden!?


Das Krankenhaus Ebern, eines der beiden Häuser der Haßberg-Kliniken, soll Ende 2025 seine stationäre Versorgung vollständig einstellen. Nach einem Beschluss des Verwaltungsrats der Haßberg-Kliniken steht fest: Der Fachbereich Innere Medizin mit seinen 50 Planbetten wird bis zum 31.12.25 aus Ebern abgezogen und nach Haßfurt verlagert.

Bereits zuvor soll das Palliativteam, das derzeit noch am Standort Ebern tätig ist, zum 1.11.25 nach Haßfurt umziehen. Nach der bereits erfolgten Schließung der Eberner Chirurgie-Station im Jahr 2021 trifft der ländliche Raum erneut eine empfindliche Schwächung seiner Versorgungsstruktur.

Politische und kommunale Vertreter betonen zwar weiterhin, dass mit einer Kurzzeitpflegeeinrichtung im bisherigen Krankenhausgebäude ein neuer Schwerpunkt entstehen soll – doch die Umsetzung dieses „Leuchtturm-Projekts“ bleibt vage. Die Zeit drängt, konkrete Fortschritte sind kaum erkennbar, die Zweifel wachsen.

Die Idee ist nicht neu – doch ihre Realisierung bleibt aus. Die Diskussion um eine sogenannte „demenzsensible Kurzzeitpflege“ in Ebern dauert inzwischen mehrere Jahre an – ohne dass bislang greifbare Ergebnisse vorliegen. Immer wieder wurde der Start des Projekts verschoben, zuletzt sogar die Anzahl der geplanten Pflegeplätze reduziert.

Im September 2022 war das Projekt erstmals mit großem medialen Aufwand vorgestellt worden. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek [➚] übergab bei einem Pressetermin persönlich einen symbolischen Scheck über 1,96 Millionen Euro an die Haßberg-Kliniken. Die Fördersumme stammte aus dem bayerischen Programm „PflegeSoNah“, mit dem eine dezentrale, barrierefreie und demenzsensible Versorgungsstruktur im ländlichen Raum aufgebaut werden sollte.

Im Mitteilungsblatt [➚] der Verwaltungsgemeinschaft Ebern vom 8.9.23 bestätigte Regina Steenbeek-Schacht, Vorständin des Kommunalunternehmens Haßberg-Kliniken, erneut, dass im Haus Ebern 28 Kurzzeitpflegeplätze entstehen sollten. Das Ausschreibungsverfahren für die Architektenleistungen befand sich zu diesem Zeitpunkt angeblich bereits in der zweiten Phase. Nach ihren Angaben war mit einem Baubeginn im Frühjahr 2024 zu rechnen.

Doch dieser Zeitpunkt verstrich ohne erkennbare Bautätigkeit. Stattdessen wurde im Sommer 2025 wieder ein neuer Projektstart angekündigt. In einer Pressemitteilung [➚] vom 31.7.25 heißt es nun, dass die Umbaumaßnahmen „weiter voranschreiten“ würden. Die Kurzzeitpflege werde voraussichtlich 2026 in der zweiten Etage des bisherigen Krankenhausgebäudes untergebracht – unter der Trägerschaft des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK).

Gleichzeitig wurde die Bettenzahl stillschweigend nach unten korrigiert: Statt der ursprünglich angekündigten 28 Plätze sollen in Ebern nur noch 20 Kurzzeitpflegeplätze entstehen, wie der Fränkische Tag [➚] am 1.8.25 berichtete.

Trotz zahlreicher öffentlicher Erklärungen wirkt die Planung aus Sicht vieler Beobachter und Betroffener chaotisch. Die „Aktionsgruppe Schluss mit Kliniksterben in Bayern“ äußerte sich bereits im Jahr 2022 fassungslos [➚] über die Verzögerung und bezeichnete die Entwicklung insgesamt als „an Dilettantismus nicht zu überbieten“. Die Teilschließung der Eberner Klinik – durch den Wegfall der Chirurgie – habe bereits massiven Schaden angerichtet. Ein weiteres Ausbluten des Standorts Ebern müsse unbedingt verhindert werden.

Ein Blick auf die verwaltungstechnischen Hürden erklärt zumindest teilweise die Verzögerungen: Damit eine Kurzzeitpflegeeinrichtung betrieben werden kann, muss ein gesonderter Versorgungsvertrag mit der Arbeitsgemeinschaft Pflegekassen Bayern abgeschlossen werden. Die Pflegekassen müssen sowohl den Bedarf an Pflegekräften als auch die Finanzierung anerkennen und vertraglich zusichern. Für die Region Ebern bedeutet das: Ohne diese Zustimmung kann keine Pflegekraft eingestellt, kein Pflegeplatz betrieben und keine Leistung mit den Kassen abgerechnet werden.

Hinzu kommt, dass eine solche Vereinbarung wohl bis spätestens Dezember 2025 geschlossen sein müsste, wenn man das Jahr 2026 als Eröffnungstermin halten will. Doch die Signale bleiben zurückhaltend. Der Landrat selbst sprach in einer Mitteilung von einer lediglich „vagen“ Aussicht auf 2026.

Gleichzeitig wird nun ein „Investitionsstau“ als einer der Gründe für die endgültige Schließung des Klinikbetriebs in Ebern angeführt – eine Argumentation, die nicht nur auf Unverständnis, sondern auch auf Widerspruch stößt. Denn noch beim Tag der offenen Tür im März 2024 hatten Besucher im Mitteilungsblatt der VG betont, dass sich das Gebäude in einem „tadellosen Zustand“ befinde. Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) hatte damals für den Erhalt des Standorts geworben und verwies auf die Gesundheitsreform des Bundes, die mit dem Modell der 1i-Krankenhäuser eine „Chance für kleine Landkrankenhäuser“ eröffne. Ebern sei prädestiniert für ein solches sektorenübergreifendes Angebot, das medizinische, pflegerische und ambulante Leistungen unter einem Dach vereine.

Doch auch diese Perspektive scheint aktuell ins Stocken geraten. Selbst symbolische Signale wirken irritierend: So veranstaltet der Landkreis Haßberge im Rahmen der Bayerischen Demenzwoche 2025 [➚] eine Reihe von Informationsveranstaltungen – jedoch nicht in Ebern. Während Orte wie Hofheim Teil des Programms sind, bleibt Ebern trotz der geplanten demenzsensiblen Pflegeeinrichtung außen vor.

Und selbst grundsätzliche Fragen bleiben unbeantwortet. Noch immer ist der Öffentlichkeit unklar, wo genau sich der 2022 medienwirksam überreichte Scheck über 1,96 Millionen Euro derzeit befindet – oder ob das Fördergeld überhaupt schon ausgezahlt wurde. In Ebern jedenfalls ist von konkreter Bautätigkeit nichts zu sehen. Aber die beste Entwicklung ist, wenn das Krankenhaus in Ebern erhalten bleibt. Bitte beteiligen Sie sich deshalb an der Petition [➚], die gestartet worden ist!

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