Ehemaliges Krankenhaus Ebern: BRK sucht Personal für Kurzzeitpflege vor dem Start

Nun ist das Rote Kreuz am Zug: Nachdem Haßberge-Landrat Wilhelm Schneider (CSU) über Jahre hinweg immer wieder die Einrichtung einer Kurzzeitpflege im Gebäude des inzwischen geschlossenen Krankenhauses Ebern angekündigt hatte, ohne dass diese tatsächlich umgesetzt wurde, übernimmt aktuell der BRK-Kreisverband Haßberge die praktische Umsetzung. Bereits vor Jahren registrierten die örtlichen Medien, dass sich die ursprünglich angekündigte Realisierung immer weiter verzögerte. Im September 2022 war an die Haßberg-Kliniken ein Förderscheck in Höhe von 1,96 Millionen Euro für die Errichtung einer Kurzzeitpflege öffentlich übergeben worden. Der Scheck wurde jedoch später wohl still zurückgegeben – ein Vorgang, der für Verwunderung sorgte. In der öffentlichen Diskussion war von einem abgetauchten Förderbescheid die Rede. Parallel dazu wurde immer wieder der Gedanke laut, die Versprechen rund um die Kurzzeitpflege seien vor allem dazu gedacht gewesen, den Widerstand gegen die Klinikschließun...

Hintergrundinformationen der „Aktionsgruppe Schluss mit Kliniksterben in Bayern“


Hintergrundinformationen zur Schließung des Krankenhauses Ebern aus der Pressemitteilung der „Aktionsgruppe Schluss mit Kliniksterben in Bayern“:

Der Haßberge-Landrat und der Verwaltungsrat der Haßberg-Kliniken begründen ihre Schließungsentscheidung im Mitteilungsblatt der Verwaltungsgemeinschaft Ebern wie folgt, Zitat: „Die Entscheidung zur Aufgabe der stationären Krankenhausbehandlung war letztlich unumgänglich, da die kommende Krankenhausreform eine klinische Versorgung in dieser Struktur nicht mehr zulässt und die zunehmende Ambulantisierung im Gesundheitswesen auch in den Haßberg-Kliniken und MVZ strukturelle Änderungen erforderlich macht.“

Wir erklären:

1. Diese Entwicklung war vorhersehbar. Wir haben mehrfach vor der Schließung der stationären Chirurgie und des daraus resultierenden begrenzten Handlungsspielraums aufmerksam gemacht.

2. Das Beispiel einer Klinik in Wertheim zeigt: Mit entsprechendem Engagement lassen sich stationäre klinische Strukturen erhalten und sogar reaktivieren. Zitat: „Er (Landrat Schneider) machte zunächst deutlich, dass die stationäre Gesundheitsversorgung eine Pflichtaufgabe des Landkreises im Rahmen seiner Leistungsfähigkeit sei. Problem seien die Betriebskosten, die nicht durch die Einnahmen von den Krankenkassen gedeckt seien. Für 4 bis 5 Mio. Euro Defizit in den Haßberg-Kliniken müsse der Landkreis aufkommen. Im letzten Jahr 4,2 Mio. Euro Defizit, in Ebern davon 1,6 Mio. Euro. Das MVZ schlage nochmal mit 2 Mio. Euro Defizit zu Buche.“

Wir erklären:

1. Betriebskosten dürfen nicht darüber entscheiden, welchen Einwohnern/-innen ein wohnortnahes Krankenhaus für lebensrettende klinische Behandlungen zur Verfügung steht und welchen nicht.

2. Das Beispiel des Bürgerspitals Wertheim zeigt, dass der Betrieb eines stationären Krankenhauses – notfalls unter anderer Trägerschaft – durchaus möglich ist. Diese Variante ist einer betriebsfremden Kurzzeitpflege unbedingt vorzuziehen. Zitat: „Der Landrat erklärte, dass das nicht so weiter gehen könne. Die Belegungszahlen zeigten, dass zwischen Januar und Juli im Durchschnitt von den 50 Betten der Inneren Medizin in Ebern nur 38 % belegt waren. Die IMC musste schon wegen Personalmangel stillgelegt werden.“

Wir erklären:

1. Die von uns und vielen Petitionsunterzeichnern geforderte Wiedereröffnung der stationären Chirurgie würde eine ausreichende Belegung des Krankenhauses sichern.

2. In Kombination mit einem spezialisierten Angebot könnte ein alternativer Klinikbetreiber – wie im Bürgerspital Wertheim geschehen – weiteres Patientenpotenzial erschließen.
Zitat: „Der stationäre Betrieb des Krankenhauses in Ebern werde zum Jahresende 2025 geschlossen, das MVZ solle ausgebaut werden und eine Pflegeeinrichtung solle in das Haus kommen. 20 Betten für Kurzzeitpflege und Übergangspflege sollen vom Roten Kreuz Bayern betrieben werden. Die Gespräche hierzu seien aktuell im Endstadium, der Umbau dafür sei günstiger als der vor zwei Jahren geplante, da sich die Vorschriften etwas geändert hätten.“

Wir erklären:

Wir kritisieren aufs Schärfste vorauseilende Teilschließungen und Schließungen der Haßberg-Klinik Ebern. Die Schließung der stationären Chirurgie zum Jahresende 2021 ohne gesicherte Anschlussnutzung ist exakt der Grund für die jetzt entstandene Minderbelegung. Wir lehnen weitere Schritte ohne belegbare Anschlussverträge kategorisch ab.

Himmelkron, 9.9.25, Pressemitteilung [➚] der „Aktionsgruppe Schluss mit Kliniksterben in Bayern“

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