Dringend gesucht: eine offene Toilette in Ebern


Wer sich in Ebern länger in der Innenstadt aufhält, steht früher oder später vor einer ganz praktischen Frage: Wo findet sich eine Toilette? Die Antwort darauf fällt derzeit ernüchternd aus. Zwar existieren in der unterfränkischen Stadt offiziell öffentliche sanitäre Anlagen, doch ein Großteil davon ist entweder geschlossen, nur eingeschränkt zugänglich oder lediglich zu bestimmten Anlässen nutzbar. In der Summe ergibt sich daraus ein akutes Problem, das Bürgerinnen und Bürger ebenso betrifft wie Besucherinnen und Besucher der Stadt.

Als zentrale öffentliche Toilette gilt das WC im Schumacherhaus in der Ritter-von-Schmitt-Straße, das zur Tourist-Information gehört. Auf dem Papier handelt es sich dabei um eine allgemein zugängliche Anlage. In der Praxis ist sie jedoch seit geraumer Zeit nicht durchgehend geöffnet. Aktuell bleibt sie vollständig geschlossen, wie aus Berichten der Tagespresse hervorging. Grund dafür seien wiederholte Fälle von Vandalismus gewesen, die nicht nur Schäden verursacht, sondern auch den laufenden Betrieb erschwert hätten. Für die Stadt habe sich dadurch ein erhebliches Toilettenproblem ergeben.

Bereits Ende 2025 wurde über den Zustand und die Instandhaltung der Toilette im Schumacherhaus diskutiert: Der Aufwand für Kontrolle, Reinigung und Reparaturen steige. Besonders sichtbar wird das Defizit während der Eisbahn-Saison im Dezember und Januar. Für Besucher der Eiswiese habe die Stadt kurzfristig eine sogenannte Sonderlösung organisieren müssen. Demnach habe der Bauhof die Toiletten zeitweise geöffnet und betreut, um zumindest während des Veranstaltungsbetriebs eine Grundversorgung sicherzustellen.

Neben dem Schumacherhaus gibt es in Ebern weitere Toiletten, die im Notfall genutzt werden könnten, deren Zugänglichkeit jedoch stark eingeschränkt ist. In der Stadtbücherei am Kirchplatz stehen sanitäre Anlagen zur Verfügung, allerdings nur während der Öffnungszeiten und grundsätzlich nur für Nutzer der Bücherei. Ähnlich verhält es sich im Ämtergebäude in der Rittergasse. Dort sind Toiletten vorhanden, die Besucherinnen und Besucher jedoch in der Regel nur im Zusammenhang mit einem Termin nutzen können. Von einer spontanen oder niedrigschwelligen Nutzung kann daher keine Rede sein.

Auch an weiteren Orten existieren Toiletten, die allerdings nur zu bestimmten Anlässen geöffnet werden. In der Rathaushalle am Marktplatz stehen sanitäre Anlagen vor allem im Zusammenhang mit Veranstaltungen zur Verfügung. Außerhalb solcher Termine bleiben sie verschlossen. Gleiches gilt für die Toilette am Friedhof in der Bahnhofstraße, die meist nur im Rahmen von Beerdigungen oder besonderen Gedenktagen zugänglich ist. Für den alltäglichen Aufenthalt in der Stadt stellen diese Angebote daher keine verlässliche Option dar.

Besonders ins Gewicht fällt die Situation am Bahnhof. Die dortige WC-Anlage am Anlagenring ist dauerhaft geschlossen, obwohl sie funktionstüchtig sein soll. Gerade für Pendler sowie für Gäste, die mit der Bahn anreisen, fehlt damit eine naheliegende Möglichkeit, sanitäre Einrichtungen zu nutzen. Dass ausgerechnet an einem Verkehrsknotenpunkt keine offene Toilette zur Verfügung steht, wird von vielen als unverständlich wahrgenommen.

Eine der wenigen halbwegs verlässlichen Alternativen bietet der EDEKA-Markt in der Bahnhofstraße. Dort gibt es eine Kundentoilette, die während der Ladenöffnungszeiten – in der Regel bis 20 Uhr – meist nutzbar ist. Allerdings handelt es sich dabei um ein freiwilliges Angebot eines privaten Unternehmens. Zudem ist die Nutzung an den Einkauf gebunden und endet mit Ladenschluss. Für Menschen, die sich abends in der Stadt aufhalten, hilft diese Lösung daher kaum weiter.

In der Altstadt verschärft sich das Problem zusätzlich durch die Struktur der Gastronomie. Viele Lokale öffnen überwiegend am Abend und nicht an allen Tagen der Woche. Hinzu kommt, dass Ebern über kein offizielles „Nette Toilette“-System verfügt. Dieses Modell, bei dem Gastronomiebetriebe ihre Toiletten kostenfrei der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen und dafür von der Kommune unterstützt werden, ist in vielen Städten etabliert. In Ebern ist über ein solches System bislang nicht nachgedacht worden. Wer außerhalb der eigenen Wohnung dringend eine Toilette benötigt, ist daher auf das Entgegenkommen einzelner Gastwirte angewiesen – ohne Anspruch und ohne verlässliche Planung.

Die Summe dieser Einschränkungen sorgt für wachsende Unzufriedenheit. Besonders ältere Menschen, Familien mit Kindern oder Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen seien auf gut erreichbare Toiletten angewiesen, wird immer wieder betont. Auch für Touristen, die die historische Altstadt besuchen oder an Veranstaltungen teilnehmen, hinterlasse die Situation einen negativen Eindruck. Die Tatsache, dass offiziell vorhandene öffentliche Toiletten aus Sicherheits- und Vandalismusgründen geschlossen bleiben müssen, verdeutlicht zudem die Herausforderungen, vor denen die Stadtverwaltung steht.

Ebern steht damit exemplarisch für ein Problem, das im Alltag oft unterschätzt wird, aber große Auswirkungen auf die Aufenthaltsqualität hat. Solange zentrale Anlagen wie das WC im Schumacherhaus oder die Toilette am Bahnhof nicht dauerhaft zugänglich sind und alternative Konzepte fehlen, bleibt die Versorgung lückenhaft. Die Diskussion über tragfähige Lösungen dürfte die Stadt daher weiter beschäftigen – nicht zuletzt, weil das Bedürfnis nach einer Toilette weder Öffnungszeiten noch Termine kennt.

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