In Ebern wächst die Sorge um die Sicherheit von Fußgängern. Seit in den vergangenen Jahren zahlreiche Kreuzungen und Einmündungen zu Kreisverkehren umgebaut wurden, hat sich das Überqueren der Straßen für Menschen zu Fuß spürbar erschwert. An Anlagen wie dem Strasser-, Valeo-, Tegut-, Gasthof-Post- oder Schulkreisel werde das Queren der Fahrbahn vielfach als riskant empfunden, heißt es aus der Bürgerschaft. Markierte Übergänge fehlen, Fahrzeuge nähern sich aus verschiedenen Richtungen, und für ältere Menschen, Kinder oder Personen mit eingeschränkter Mobilität sei die Situation zunehmend belastend.
Vor diesem Hintergrund stoßen Überlegungen, die schmalen Wege im Eberner Anlagenring für den Radverkehr zu öffnen, auf deutliche Kritik. Der Anlagenring umschließt die Altstadt von Ebern als parkähnliches Band aus Gehwegen und Grünflächen. Er gilt bislang als Rückzugsraum für Spaziergänger, Jogger und erholungssuchende Menschen. Nach geltender Praxis dienen Wege in öffentlichen Grünanlagen primär der inneren Erschließung und nicht dem Durchgangsverkehr. Radfahren ist dort in vielen Städten grundsätzlich untersagt, sofern keine ausdrücklich ausgewiesenen Routen bestehen. Diese Grundsätze sollen Nutzungskonflikte vermeiden und die Erholungsfunktion der Anlagen sichern.
Dass solche Konflikte keineswegs theoretischer Natur sind, zeigen Erfahrungen aus anderen Städten. In Parks wie dem Münchner Westpark oder dem Olympiapark komme es regelmäßig zu Spannungen zwischen Radfahrern und Fußgängern, insbesondere dann, wenn einzelne Radler mit hoher Geschwindigkeit unterwegs sind. Die Probleme lägen dabei weniger an fehlender Beschilderung, sondern an mangelnder Rücksichtnahme. Auch in Berlin wurde das Thema jüngst öffentlich diskutiert. Der „Tagesspiegel“ berichtete im Juli 2024 über politische Forderungen nach Fahrradverboten in Parks, da Erholung kaum möglich sei, wenn Parkbesucher ständig damit rechnen müssten, von Fahrrädern überrascht zu werden.
In Ebern könnte sich eine ähnliche Situation entwickeln, sollte der Anlagenring für den Radverkehr freigegeben werden. Etliche Bürger verweisen darauf, dass Rücksichtnahme und angepasste Geschwindigkeit im Alltag häufig Wunschvorstellungen blieben. Hinzu komme der zunehmende Anteil von E-Bikes, die deutlich schneller unterwegs seien als herkömmliche Fahrräder. Würden diese künftig auch durch öffentliche Parkanlagen fahren, entstünden neue Gefahrenstellen. Aus Sicht vieler Beobachter widerspreche dies dem übergeordneten Ziel, die Sicherheit für Fußgänger zu erhöhen.
Die Diskussion ist eingebettet in einen breiter angelegten Prozess zur Entwicklung eines Verkehrskonzepts für die Stadt Ebern. Beim zweiten Projekt-Treffen [➚] des Quartiersmanagements im Oktober 2025 hatten Bürgerinnen und Bürger in zwei Arbeitsgruppen Problemlagen gesammelt und Ziele formuliert. Diese sollen einem Verkehrsplanungsbüro als Grundlage dienen und später in die Neugestaltung öffentlicher Flächen, etwa am Marktplatz oder im Mühlviertel, einfließen.
Unter den zahlreichen Vorschlägen finden sich Maßnahmen zur Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs, zur Verkehrsberuhigung in Wohngebieten, zur besseren Organisation des Parkens sowie zur Verbesserung der Situation für Fußgänger und Radfahrer. Besonders relevant für die aktuelle Debatte sind mehrere Punkte, die eine Öffnung von Wegen im Anlagenring für Radfahrer anregen, darunter der Fußweg der Walk-Strasser-Anlage sowie der Weg zwischen Realschule und Stadtmauer, der ebenfalls Teil des Rings ist. Gleichzeitig wird vorgeschlagen, die Walk-Strasser-Anlage für Autos zu sperren, was Fragen aufwirft, da dort nach allgemeinem Verständnis ohnehin kein regulärer Autoverkehr vorgesehen ist.
Auch weitere Ideen aus der Liste stoßen auf Skepsis. So wird etwa die Sanierung der Treppenanlage über die Badgasse in Richtung Mühlviertel diskutiert, verbunden mit der Frage nach Barrierefreiheit. Fachleute weisen darauf hin, dass eine wirklich barrierefreie Lösung dort nur mit einem Aufzug möglich wäre, was angesichts der örtlichen Gegebenheiten und Kosten als wenig realistisch gilt.
Deutlich mehr Zustimmung erfahren Vorschläge, die unmittelbar der Sicherheit von Fußgängern dienen. Dazu zählt die Forderung nach klar markierten Querungshilfen, insbesondere an den Kreisverkehren. Zebrastreifen könnten dort die Situation entschärfen und den Vorrang für Fußgänger sichtbar machen. Bislang seien entsprechende Anträge jedoch von der zuständigen Behörde im Landratsamt Haßberge abgelehnt worden. Beobachter sehen hier die Kommunalpolitik in der Pflicht, die Interessen der Stadt entschlossener zu vertreten.
Die Bedeutung sicherer Fußwege gewinnt zusätzlich an Gewicht, seit Ebern zum Jahresende 2025 sein Krankenhaus verloren hat. Die nächstgelegene Klinik befindet sich nun rund 30 Kilometer entfernt. In Notfällen könne jede Verzögerung gravierende Folgen haben, weshalb sichere und gut überschaubare Verkehrsverhältnisse im Stadtgebiet umso wichtiger seien.
Die Vorschlagsliste des Projekt-Treffens zeigt insgesamt ein breites Spektrum an Ideen, von Carsharing-Stationen über Tempo-30-Zonen bis hin zu zusätzlichen Fahrradabstellanlagen. Manche Ansätze gelten als zukunftsweisend, andere als problematisch. Insbesondere die Öffnung des Anlagenrings für Radfahrer wird als Schritt in die falsche Richtung angesehen. Statt neue Konfliktflächen zu schaffen, fordern sie, bestehende Gefahrenstellen zu entschärfen und den Charakter der Grünanlagen als geschützte Räume für Fußgänger zu bewahren.

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