Warum Ebern ein eigenes Ampelmännchen vertragen könnte


Ampeln gehören zum alltäglichen Stadtbild: Sie ordnen den Verkehr und sollen insbesondere Fußgängerinnen und Fußgänger schützen. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass Ampel nicht gleich Ampel ist. Vor allem die Darstellung der Fußgängersignale hat sich über Jahrzehnte hinweg kulturell entwickelt. Auch in Ebern ließe sich daran anknüpfen – etwa an den bestehenden Fußgängerampeln an der Coburger Straße auf Höhe des ehemaligen Krankenhauses oder an der Kreuzung der B 279 bei Heubach an der Südzufahrt zur Stadt.

Das bekannte Ampelmännchen wurde entworfen, um Verkehrsregeln möglichst eindeutig und schnell erfassbar zu machen. Die Figur signalisiert durch ihre Haltung und Gestik, ob das Überqueren der Straße erlaubt ist oder nicht. Dabei existieren in Europa und insbesondere in Deutschland unterschiedliche Varianten. Um innerhalb der Europäischen Union ein einheitliches Symbol zu schaffen, sei das sogenannte Euromännchen entwickelt worden, das inzwischen in vielen neueren Anlagen zu finden ist. Parallel dazu haben sich jedoch nationale und regionale Formen erhalten, die weiterhin das Straßenbild prägen.

In Deutschland sind vor allem zwei klassische Varianten bekannt. Neben dem westdeutschen Ampelmännchen existiert das Ost-Ampelmännchen, das 1970 in der damaligen DDR eingeführt wurde. Diese Figur mit Hut und ausladender Schrittbewegung entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem identitätsstiftenden Symbol. Nach der Wiedervereinigung verschwand sie zunächst vielerorts, kehrte jedoch später zurück und ist heute nicht nur in Ostdeutschland, sondern auch in westdeutschen Städten anzutreffen. Ergänzend dazu sind in vielen Kommunen kombinierte Signale verbreitet, die Fußgänger und Radfahrer gemeinsam ansprechen und beide Verkehrsarten in einer Darstellung vereinen.

Ein Blick über die Landesgrenzen hinaus zeigt, dass die Vielfalt noch deutlich größer ist. In den Vereinigten Staaten und in Kanada wird beispielsweise häufig auf die Darstellung einer menschlichen Figur verzichtet. Dort signalisiert eine leuchtende Handfläche das Haltegebot, während ein stilisierter Schriftzug oder ein blinkendes Signal das Gehen erlaubt. Diese abstraktere Form unterstreicht, dass Verständlichkeit auch ohne figürliche Darstellung möglich ist, während Europa stärker an symbolische Figuren gewöhnt bleibt.

In vielen deutschen Städten ist das Ampelmännchen inzwischen mehr als nur ein Verkehrssymbol. Kommunen nutzen es gezielt als Identifikationsmerkmal und Werbeträger. In Bayreuth erinnert die Figur an Richard Wagner, in Bamberg an das Sams, während in Coburg ein Ampelmännchen mit einer Bratwurst im Brötchen auf lokale Spezialitäten anspielt. Mainz setzt seit Jahren auf die bekannten Mainzelmännchen, Nürnberg auf den Hasen nach Albrecht Dürer. Diese Varianten gelten als echte Hingucker und werden von Einheimischen ebenso wie von Gästen wahrgenommen.

Wie stark solche Figuren Aufmerksamkeit erzeugen können, zeigte sich jüngst auch in Hamburg. Dort regeln seit dem 13.1.26 an zwei Kreuzungen an NDR-Standorten Ampeln mit den Figuren Ernie und Bert aus der Sesamstraße den Fußgängerverkehr. An diesen Kreuzungen übernimmt nun Ernie das Signal zum Gehen, während Bert das Stehenbleiben anzeigt. Zur offiziellen Inbetriebnahme sind neben lebensgroßen Figuren auch Vertreter des Norddeutschen Rundfunks und der Sesame Workshop Europe erschienen. Hintergrund ist die langjährige Zusammenarbeit des NDR als deutscher Produzent der Kinderserie, die seit mehr als fünf Jahrzehnten im Fernsehen läuft.

Hamburg steht mit dieser Idee nicht allein. Bundesweit existieren zahlreiche Beispiele für individuell gestaltete Ampelmännchen. In Emden führt der Ehrenbürger Otto Waalkes über die Straße, in Schwerin das sagenumwobene Petermännchen. München setzt auf den Kobold Pumuckl, Friedberg in Hessen auf Elvis Presley, Bremen auf die Bremer Stadtmusikanten. Solche Aktionen werden von vielen Städten als vergleichsweise kostengünstige Möglichkeit gesehen, Aufmerksamkeit zu erzeugen, mediale Präsenz zu gewinnen und den Tourismus zu fördern. Gleichzeitig stoßen sie nicht überall auf Zustimmung; Kritikerinnen und Kritiker bemängeln mitunter eine Banalisierung des Straßenbildes oder eine Abkehr von nüchterner Verkehrsordnung.

Gerade für kleinere Städte stellt sich dennoch die Frage, welches Potenzial in einem eigenen Ampelmännchen liegen könnte. Ebern, das immer wieder mit schwerwiegenden strukturellen Herausforderungen konfrontiert ist, verfügt über zwei Ampelanlagen. An der Coburger Straße queren Fußgängerinnen und Fußgänger auf Höhe des ehemaligen Krankenhauses eine vielbefahrene Strecke, während an der Kreuzung der B 279 bei Heubach der Verkehr aus südlicher Richtung in die Stadt geführt wird. Diese Orte wären prädestiniert für eine individuelle Gestaltung mit Ampelmännchen.

Ein eigens für Ebern entworfenes Ampelmännchen könnte regionale Geschichte, fränkische Eigenheiten oder städtische Symbole aufgreifen und so einen Wiedererkennungswert schaffen. Erfahrungen aus anderen Kommunen zeigen, dass solche Figuren Gespräche anstoßen, fotografiert und in sozialen Medien verbreitet werden. Damit rückt nicht nur die Ampel selbst, sondern auch der Ort in den Fokus. Für eine Stadt, die mit knappen Ressourcen wirtschaften muss, erscheint dieser Ansatz als niedrigschwellige Möglichkeit, ein positives Signal zu setzen und das Selbstbild nach außen wie nach innen zu stärken.

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