
Auf der Bahnstrecke zwischen Bamberg und Ebern, die über Breitengüßbach und Baunach führt, verkehrt seit geraumer Zeit häufig nur ein einzelner Zugteil statt der sonst üblichen Doppeltraktion zu Stoßzeiten.
Was für Außenstehende nach einer rein technischen Anpassung klingen mag, hat für viele Menschen entlang der Strecke spürbare Folgen. Die Verbindung ist die zentrale Verkehrsachse im Altlandkreis Ebern und wird täglich von zahlreichen Berufspendlerinnen und Berufspendlern sowie von Schülerinnen und Schülern genutzt. Gerade zu den morgendlichen und nachmittäglichen Stoßzeiten entscheidet die Zuverlässigkeit dieser Linie darüber, ob der Weg zur Arbeit oder zur Schule planbar bleibt oder nicht.
In den vergangenen Monaten ist die Strecke verstärkt in den Fokus geraten, weil sich Störungen und Ausfälle gehäuft haben. Nach Angaben der beteiligten Stellen seien mehr als zwei Drittel der Zugausfälle auf Bauarbeiten, infrastrukturelle Störungen sowie auf witterungsbedingte Einflüsse zurückzuführen gewesen. Für die Fahrgäste habe sich dadurch ein Alltag ergeben, der von kurzfristigen Änderungen, Verspätungen und eingeschränkten Platzkapazitäten geprägt sei. Besonders für junge Fahrgäste auf dem Weg zu den weiterführenden Schulen in Ebern hat dies wiederholt zu Unsicherheiten geführt.
Vor diesem Hintergrund ist es nun zu einem gemeinsamen Abstimmungsgespräch im Landratsamt Bamberg gekommen. Ziel des Treffens sei es gewesen, die Ursachen der Probleme offen zu benennen und zugleich nach tragfähigen Lösungen zu suchen. An der Gesprächsrunde haben Vertreter der agilis Verkehrsgesellschaft, die Schulleitungen der Dr.-Ernst-Schmidt-Realschule und des Friedrich-Rückert-Gymnasiums in Ebern, eine Vertreterin der Stadt Baunach sowie Mitarbeiter des Landratsamtes Bamberg teilgenommen.
Nach Darstellung des Verkehrsunternehmens liege eine der zentralen Ursachen für die derzeitige Situation in anhaltenden technischen Engpässen innerhalb des oberfränkischen Dieselnetzes. Ein erheblicher Teil der Fahrzeugflotte befinde sich seit längerer Zeit in sogenannten schweren Instandhaltungen. Diese aufwendigen Wartungs- und Reparaturarbeiten nähmen pro Triebfahrzeug mehrere Wochen in Anspruch. Zusätzlich seien derzeit rund zehn Prozent der Fahrzeuge in externen Werkstätten gebunden. Nach derzeitigem Stand sei davon auszugehen, dass diese Maßnahmen noch mindestens bis zur Mitte des laufenden Jahres erforderlich bleiben würden.
Erschwerend komme hinzu, dass es immer wieder zu kurzfristigen Defekten oder Störungen an einzelnen Fahrzeugen komme, die sich nicht im Voraus planen ließen. Diese Unwägbarkeiten wirkten sich unmittelbar auf den Fahrzeugeinsatz aus. In der Folge werde auf der Strecke zwischen Bamberg und Ebern bereits seit etwa zwei Jahren häufig nur ein einzelner Zugteil eingesetzt. Um den Verkehr dennoch aufrechtzuerhalten, werde ergänzend ein Ersatzverkehr mit Bussen angeboten.
Gerade diese Kombination aus verkürzten Zügen und Schienenersatzverkehr sorgt jedoch bei vielen Fahrgästen für Unmut. Insbesondere zu den Hauptverkehrszeiten reichten die vorhandenen Plätze nach Wahrnehmung zahlreicher Nutzerinnen und Nutzer nicht aus. Züge und Busse seien teilweise stark ausgelastet, mitunter sogar überfüllt. Am Nachmittag und in den Abendstunden komme es zudem vermehrt zu Ausfällen einzelner Fahrten, was die Rückfahrt erschwere und Anschlussverbindungen gefährde.
Das Verkehrsunternehmen habe in dem Gespräch darauf hingewiesen, dass das Gesamtplatzangebot aus Zug- und Busverkehr formal der vom Freistaat Bayern über die Bayerische Eisenbahngesellschaft bestellten Kapazität entspreche. Gleichwohl sei man sich darüber einig gewesen, dass diese rechnerische Betrachtung nicht zwangsläufig die tatsächliche Situation vor Ort abbilde. Deshalb sei vereinbart worden, die Auslastung von Zügen und Bussen künftig genauer zu beobachten. Vertreter aller beteiligten Institutionen wollten sich selbst ein Bild von der Lage machen, um bei Bedarf nachsteuern zu können.
Ein weiterer zentraler Punkt der Diskussion betraf die mangelnde Planbarkeit für die Fahrgäste. Kurzfristige Änderungen, Ausfälle oder der Einsatz von Ersatzbussen seien oft nur schwer nachvollziehbar. Gerade für Schülerinnen und Schüler sowie für Berufstätige mit festen Arbeitszeiten stelle dies ein erhebliches Problem dar. In der Runde habe Einigkeit darüber bestanden, dass hier ein deutlicher Verbesserungsbedarf bestehe. Schnellere, klarere und verlässlichere Informationswege seien notwendig, um Betroffene rechtzeitig zu erreichen.
Die Schulen in Ebern hätten in diesem Zusammenhang geschildert, dass Verspätungen und Zugausfälle nicht nur den Unterrichtsbeginn, sondern auch den gesamten Schulalltag beeinflussten. Lehrkräfte müssten flexibel reagieren, Klassen kämen verspätet an, Prüfungen oder Leistungsnachweise gerieten unter Druck. Auch Eltern äußerten demnach regelmäßig Sorgen, wenn ihre Kinder aufgrund unklarer Verkehrslagen später als geplant nach Hause kämen.
Vor diesem Hintergrund sei die Idee einer engeren Abstimmung zwischen Verkehrsunternehmen, Schulen, Kommunen und Landkreis aufgegriffen worden. Künftig sollten regelmäßige Gesprächsrunden stattfinden, um Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Die Koordination dieser Abstimmungen soll beim Landratsamt Bamberg liegen, das damit eine vermittelnde Rolle zwischen den verschiedenen Interessen übernehme.
Darüber hinaus sei vereinbart worden, die tatsächlichen Fahrgastzahlen differenzierter zu erfassen. Nur so lasse sich beurteilen, ob die bereitgestellten Kapazitäten den realen Bedarf abdeckten oder ob insbesondere zu bestimmten Tageszeiten zusätzliche Angebote erforderlich seien. Auch der Einsatz von Bussen solle kritisch überprüft werden, etwa im Hinblick auf Fahrzeiten, Anschlüsse und die Abstimmung mit dem Schienenverkehr.
In den Gesprächen sei mehrfach betont worden, dass die aktuellen Probleme den Verantwortlichen bekannt seien und ernst genommen würden. Niemand habe die Situation beschönigt oder als bloßes Übergangsphänomen abgetan. Vielmehr habe Einigkeit darüber bestanden, dass die Einschränkungen für die Fahrgäste eine erhebliche Belastung darstellten. Gleichzeitig sei deutlich geworden, dass schnelle Patentlösungen angesichts der komplexen technischen und organisatorischen Rahmenbedingungen kaum möglich seien.
Aus Sicht der Kommunen ist die Bahnverbindung von zentraler Bedeutung. Sie verbindet nicht nur Wohn- und Arbeitsorte, sondern sichert auch die Erreichbarkeit von Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitangeboten. Einschränkungen im Bahnverkehr wirkten sich daher unmittelbar auf die Attraktivität der Region aus. Entsprechend groß sei das Interesse daran, gemeinsam mit dem Verkehrsunternehmen tragfähige Lösungen zu entwickeln.
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