Am kommenden Sonntag, 8.3.26, sind die Bürgerinnen und Bürger von Ebern zur Wahl aufgerufen. Die Kommunalwahl 2026 entscheidet darüber, wer künftig an der Spitze des Rathauses stehen wird. Amtsinhaber Jürgen Hennemann (SPD), Stadträtin Isabell Zimmer (CSU) und Stadtrat Harald Pascher (FDP / Freie Bürger) bewerben sich um das Amt des Bürgermeisters. Wer in den vergangenen Wochen aufmerksam verfolgt hat, wie sich der Wahlkampf in der Stadt entwickelte, konnte sich des Eindrucks kaum erwehren, dass die politische Auseinandersetzung erstaunlich leise blieb.
Große Kontroversen, leidenschaftliche Debatten oder öffentliche Streitgespräche zwischen den Kandidaten waren kaum zu erleben. Themen, die für die Stadt von erheblicher Bedeutung sind, blieben weitgehend unerörtert.
Keine Podiumsdiskussion der Kandidaten
Besonders auffällig war das Fehlen einer Podiumsdiskussion mit allen drei Bewerbern. In vielen Kommunen gehören solche Veranstaltungen zum festen Bestandteil eines Wahlkampfes. Sie bieten Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, die Kandidaten direkt zu erleben, Unterschiede in Programmen und Persönlichkeiten wahrzunehmen und kritische Fragen zu stellen.
In anderen Städten des Landkreises gab es entsprechende Veranstaltungen, etwa Wahlforen der Presse in Haßfurt oder Eltmann. Dabei hätten die drei Eberner Bewerber eine Podiumsdiskussion auch selbst organisieren können – etwa in der Frauengrundhalle. Dass es dazu nicht kam, verstärkte den Eindruck eines Wahlkampfes mit geringer öffentlicher Auseinandersetzung.
Ein großes Thema, über das nicht gesprochen wurde
Zu den bemerkenswerten Gemeinsamkeiten der Kandidaten gehörte der Umgang mit einem Thema, das für viele Menschen in der Region von zentraler Bedeutung war oder ist: das Krankenhaus Ebern. Die Einrichtung wurde zum 31.12.25 geschlossen – mit Unterstützung aller Fraktionen im Kreistag Haßberge.
Die drei Bürgermeisterkandidaten sitzen selbst im Kreistag als Kreisräte und gehörten damit zu den politischen Akteuren, die diesen Schritt mitgetragen haben. Im Wahlkampf wurde das Thema allerdings auffallend zurückhaltend behandelt. Kritische Diskussionen oder ausführliche Positionierungen blieben aus.
Dabei stellen sich weiterhin zahlreiche Fragen zur Zukunft des großen Gebäudekomplexes. Zwar haben inzwischen drei Facharztpraxen im Erdgeschoss Räume bezogen, doch die Mieteinnahmen aus diesen Praxen werden langfristig kaum ausreichen, um die Unterhaltungskosten der Immobilie zu decken.
Hinzu kommt ein weiteres Projekt, das ursprünglich im Zusammenhang mit dem ehemaligen Krankenhaus angekündigt worden war: eine Einrichtung für Kurzzeitpflege. Dieses Vorhaben scheint inzwischen in weite Ferne gerückt zu sein. Die Planung wurde bereits deutlich reduziert, und ein konkreter Zeitplan ist immer noch nicht absehbar. Weite Teile des Gebäudes stehen leer. Gerade vor dem Hintergrund dieser offenen Fragen hätte das Thema im Wahlkampf eine größere Rolle spielen müssen.
Erwartete Selbstreflexion blieb aus
Manche Bürger hätten sich von den Kandidaten mehr grundsätzliche Reflexion über die Entwicklung der Stadt gewünscht. Denkbar wäre etwa gewesen, dass jeder Bewerber einen kurzen Essay veröffentlicht, in dem er oder sie Bilanz über die vergangenen sechs Jahre zieht.
Alle drei Kandidaten verfügen über jahrzehntelange Erfahrung in der Kommunalpolitik. Keiner von ihnen betritt politisches Neuland. Umso größer wäre die Erwartung gewesen, dass sie öffentlich darlegen, welche Entscheidungen sich rückblickend als erfolgreich erwiesen haben, wo Fehlentwicklungen gesehen werden und welche Veränderungen künftig notwendig erscheinen.
Eine solche selbstkritische Standortbestimmung blieb jedoch aus. Stattdessen dominierten eher allgemeine Aussagen über Engagement für die Stadt und den Aufruf zur Wahlbeteiligung.
Themen mit langer Vorgeschichte
Dabei gibt es in Ebern zahlreiche kommunalpolitische Fragen, die seit vielen Jahren ungelöst sind. Manche begleiten die Stadt bereits seit Jahrzehnten.
Ein Beispiel ist der geplante Naturfriedhof, der seit über zehn Jahren immer wieder diskutiert wird. Umfragen wurden durchgeführt, Ergebnisse ausgewertet – doch konkrete Schritte folgten bislang nicht. Ähnlich verhält es sich mit der geplanten Sanierung des Anlagenrings, eines Grünzuges, der die Altstadt umgibt. Diese Diskussion reicht teilweise sogar ein Vierteljahrhundert zurück.
Immer wieder werden neue Bürgerbefragungen angekündigt, während ältere Planungen in Schubladen verschwinden. Kritiker fragen, warum bereits vorhandene Konzepte nicht stärker genutzt werden.
Der Anlagenring spielt für viele Menschen eine wichtige Rolle. Er erfüllt eine wichtige Naherholungsfunktion für die Stadtbevölkerung. Spaziergänger, Familien und Besucher nutzen die Wege entlang des Grünstreifens regelmäßig.
Ideen für eine Aufwertung
Vorschläge zur Aufwertung gibt es zahlreiche. So wird gelegentlich darüber gesprochen, den früheren Springbrunnen in der Walk-Strasser-Anlage wieder aufzubauen. An seiner Stelle befindet sich heute eine schlichte Pumpe, die offiziell als Trinkwasserbrunnen bezeichnet wird, optisch jedoch eher an einen Trinkwasserhydranten erinnert.
Ein wiederhergestellter Springbrunnen könnte nicht nur ein gestalterisches Element sein, sondern auch zur Aufenthaltsqualität beitragen. Wasserflächen und Brunnen gelten in vielen Städten als zentrale Bestandteile attraktiver Parkanlagen.
Auch andere Bereiche des Anlagenrings könnten nach Ansicht von Bürgern relativ überschaubar verbessert werden. Drei Abschnitte werden besonders häufig genannt: der Bereich des Angerbachs auf Höhe des Daut-Anwesens, die Umgebung des Kunstwerks „Werden-Sein-Vergehen“ in der Karl-Hoch-Anlage sowie der Platz am ehemaligen Springbrunnen in der Walk-Strasser-Anlage, der heute auch als Truner Platz bezeichnet wird.
Gerade die beiden zuletzt genannten Bereiche könnten durch einen einfachen Zaun geschützt werden, der abends geschlossen wird. In vielen Städten ist es üblich, Parkanlagen in den Abendstunden zu verschließen, um Vandalismus vorzubeugen.
Gestaltung statt Schilder
Neben baulichen Maßnahmen wird auch die Gestaltung der Wege diskutiert. Der derzeit verwendete dunkle Basaltsplitt könnte durch helleren Kalkstein- oder Dolomit-Splitt ersetzt werden. Blumenrabatten und zusätzliche Grünflächen würden den parkartigen Charakter unterstreichen.
Kritisch gesehen wird dagegen die zunehmende Zahl von Blechschildern, die in den vergangenen Jahren an verschiedenen Stellen des Anlagenrings angebracht wurden. Diese Schilder erfüllen zwar Informations- oder Regelungszwecke, tragen nach Ansicht mancher Bürger jedoch wenig zur Erholungswirkung der Anlage bei.
Auch ein jährlicher zusätzlicher Haushaltsposten für die Pflege der Grünanlagen wird immer wieder vorgeschlagen. Ein Betrag von etwa 150.000 Euro könnte nach dieser Vorstellung gezielt in die Verbesserung der Parkanlagen fließen.
Ein Brunnen mit langer Geschichte
Ein weiteres Thema, das seit Jahrzehnten diskutiert wird, ist der sogenannte Pallas-Athene-Brunnen. Die Figur der antiken Göttin befindet sich heute eher versteckt im Rathaushof. Ursprünglich stand sie jedoch vor dem Streits-Haus am Marktplatz.
Im Umkreis des Bürgervereins plädierte man schon im Jahr 2015 dafür, die Brunnenfigur zusammen mit einem rekonstruierten Becken wieder an ihren historischen Standort zurückzubringen. Auch dieses Projekt ruht seit langer Zeit.
Persönliche Fragen blieben offen
Neben kommunalpolitischen Themen hätte der Wahlkampf auch Gelegenheit bieten können, die Kandidaten persönlicher kennenzulernen. In vielen Wahlkämpfen werden den Bewerbern Fragen gestellt, die über das klassische Programm hinausgehen: Welche Bücher lesen sie gerade? Wann haben sie zuletzt ihre Meinung geändert? Verlassen sie sich eher auf Excel-Tabellen oder auf Bauchgefühl?
Auch solche Einblicke in Persönlichkeit und Denkweise blieben weitgehend aus. Dabei könnten sie helfen, den Menschen hinter dem politischen Amt sichtbarer zu machen.
Unterschiedliche Wahlkampfstrategien
Die drei Kandidaten setzten im Verlauf der Wochen auf unterschiedliche Kommunikationswege.
Isabell Zimmer von der CSU erklärte bereits einige Tage vor dem Wahltag auf der Internetseite ihres Ortsverbandes, sie habe im Wahlkampf alles gegeben. Nun liege die Entscheidung bei den Bürgerinnen und Bürgern. Diese Aussage wurde am Donnerstag, dem 5.3.26, auf Facebook veröffentlicht – drei Tage vor der Abstimmung.
Harald Pascher wiederum setzte stark auf persönliche Authentizität. Auf seiner Facebook-Seite schrieb er Mitte Februar 26, er habe sich bei den Wahlplakaten bewusst für einen Mittelweg entschieden. Es gebe nur eine reduzierte Anzahl von Plakaten, dazu einen kleinen Flyer und eine eher zurückhaltende Nutzung von Social Media. Ihm sei bewusst, dass diese Strategie das Risiko berge, weniger wahrgenommen zu werden. Wichtig sei ihm jedoch, sich nicht zu verstellen und den Wahlkampf so zu führen, wie er selbst es für richtig halte.
Sein letzter Eintrag vor der Wahl datierte auf den 2.3.26. Darin rief er die Menschen dazu auf, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen und betonte, dass Demokratie von Beteiligung lebe.
Amtsinhaber Jürgen Hennemann erhielt auf der Facebook-Seite der SPD Ebern viel Zuspruch – allerdings aus den eigenen Reihen. Dort wurde Anfang März hervorgehoben, dass der Arbeitstag eines Bürgermeisters nicht mit dem offiziellen Dienstschluss ende. Hennemann lebe gewissermaßen für die Stadt und sei häufig länger im Einsatz als viele Beschäftigte der Verwaltung. In dem Beitrag wurde außerdem betont, er habe klare Positionen und in den vergangenen Jahren zahlreiche kommunalpolitische Themenfelder bearbeitet und umgesetzt.
Eine Wahl mit vielen offenen Fragen
Während sich der Wahltermin nähert, bleibt festzustellen, dass viele der großen kommunalpolitischen Themen weiterhin offen sind. Fragen zur Zukunft des ehemaligen Krankenhauses, zur Gestaltung des Anlagenrings oder zur Entwicklung einzelner Projekte werden die Stadt auch nach der Kommunalwahl 2026 begleiten. Ob der nächste Bürgermeister von Ebern diese Themen energischer aufgreifen wird, wird sich erst nach dem Wahltag zeigen. Die Bürgerinnen und Bürger haben nun das Wort.

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