Vom Klinik-Aus zum Millionenprojekt: Bad Colberg blickt nach vorn

Symbolbild KI

In Ebern ist die Stimmung gedrückt. Mit der Schließung des Krankenhauses zum 31.12.25 hat die Stadt einen zentralen Bestandteil ihrer medizinischen Versorgung verloren. Viele Bürgerinnen und Bürger blicken seitdem mit Sorge auf die Zukunft der Region. Der Wegfall der Einrichtung reiht sich ein in eine Entwicklung, die strukturschwache Gegenden zunehmend vor Herausforderungen stellt. Während in Ebern Unsicherheit und Frustration vorherrschen, zeichnet sich rund 30 Kilometer entfernt ein ganz anderes Bild ab.

In Bad Colberg, einem kleinen Ortsteil der Stadt Heldburg, wächst nach Jahren des Stillstands neue Hoffnung. Dort war bereits Ende 2023 die Reha-Klinik geschlossen worden – ein Schritt, der damals überraschend kam und in der Region Bestürzung auslöste. Der Betreiber hatte die Entscheidung mit geringer Auslastung und wirtschaftlichen Schwierigkeiten begründet. Die Einrichtung, die erst wenige Jahre zuvor übernommen worden war, konnte demnach nicht mehr kostendeckend betrieben werden. Bis zur Weihnachtszeit 2023 wurden die laufenden Therapien abgeschlossen, anschließend stellte die Klinik ihren Betrieb vollständig ein. 121 Beschäftigte waren von der Schließung betroffen.

Die Geschichte des Kurstandorts reicht dabei weit zurück. Anfang des 20. Jahrhunderts war bei Bohrungen zufällig eine Thermalquelle entdeckt worden, deren Wasser mit rund 36 Grad Celsius und hohem Salzgehalt als besonders heilkräftig galt. Schon bald entstand ein Bade- und Kurhaus mit weitläufigem Park. Über die Jahrzehnte hinweg wurde die Anlage mehrfach umgenutzt – etwa als Lazarett oder Kinderheim – und entwickelte sich zu einem festen Bestandteil der regionalen Gesundheitsinfrastruktur.

Nach der Schließung der Klinik und der Therme schien diese Tradition zunächst beendet. Doch inzwischen gibt es konkrete Pläne für einen Neuanfang. Investoren haben das rund elf Hektar große Areal übernommen und verfolgen ein ambitioniertes Projekt: Unter dem Namen „Bad Colberg Resort“ soll bis Ende des Jahrzehnts ein umfassendes Ferien- und Wellnessangebot entstehen.

Bereits im Herbst 2026 soll die Therme nach Modernisierungsarbeiten wieder öffnen. Parallel dazu ist die Inbetriebnahme erster Hotelkapazitäten vorgesehen. Insgesamt planen die neuen Eigentümer vier unterschiedliche Hotels – von einem Tagungshotel über ein auf Ruhe ausgerichtetes Thermenhotel bis hin zu einem Familien- und einem Vitalhotel. Ergänzt werden soll das Angebot durch Gastronomie, Fitnessbereiche sowie vielfältige Wellness- und Spa-Einrichtungen.

Besonderes Augenmerk liegt auf einem breit gefächerten Saunakonzept. Die Entwickler sprechen davon, eine außergewöhnliche Vielfalt schaffen zu wollen – mit thematisch unterschiedlichen Bereichen wie finnischen Hütten, einem russisch inspirierten Banjadorf oder einem japanischen Garten. Auch naturnahe Angebote wie ein Wald-Spa, Meditationsflächen und ein Gradierwerk sind vorgesehen.

Um die geplanten Besucherzahlen bewältigen zu können, sollen zusätzliche Flächen erschlossen werden, etwa für Parkplätze und Wohnmobilstellplätze. Auch Ferienhäuser und Chalets sind geplant, teilweise zur Vermietung, teilweise zum Verkauf. Ein künstlich angelegter See, gespeist aus aufbereitetem Thermalwasser, soll das Konzept ergänzen.

Die Erwartungen sind hoch: Rund 100.000 Hotelgäste und ebenso viele Thermenbesucher pro Jahr werden angepeilt. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass die vorhandene Infrastruktur dies leisten kann. Schon in früheren Zeiten habe es keine größeren Engpässe gegeben, heißt es aus dem Rathaus in Heldburg. Dennoch bleiben Fragen – etwa, wie stark die umliegenden Gemeinden von der Entwicklung profitieren können.

Vor Ort wird das Projekt aufmerksam, aber auch zurückhaltend verfolgt. Manche können sich nur schwer vorstellen, dass aus dem kleinen Ort mit gut 100 Einwohnern ein touristischer Anziehungspunkt wird. Andere sehen darin eine Chance für die gesamte Region zwischen Thüringen und Franken.

Während in Ebern der Verlust des Krankenhauses noch nachwirkt, richtet sich der Blick in Bad Colberg nach vorn – auf ein Vorhaben, das die wirtschaftliche Perspektive eines ganzen Landstrichs verändern könnte.

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