Künstliche Intelligenz hält zunehmend Einzug in Bereiche, die lange als zutiefst menschlich galten. Besonders im Sozialbereich, wo persönliche Gespräche, Empathie und individuelle Lösungen im Mittelpunkt stehen, eröffnet die Technologie neue Möglichkeiten – und wirft zugleich grundlegende Fragen auf. Was wäre etwa, wenn digitale Systeme eigenständig Hilfsangebote recherchieren, Beratungsgespräche vorbereiten und sogar die Abstimmung zwischen verschiedenen Institutionen übernehmen könnten? In einer Zeit, in der soziale Einrichtungen häufig unter hohem Zeitdruck stehen, könnte genau das eine spürbare Entlastung bedeuten – so dass Fachkräfte sich stärker auf die direkte Arbeit mit Menschen konzentrieren könnten.
KI-Agenten
Solche Szenarien sind längst nicht mehr reine Theorie. Im Forschungsprojekt KIDaS, das durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert wird, untersuchen Wissenschaftler, wie weit die Entwicklung sogenannter KI-Agenten tatsächlich fortgeschritten ist. Dabei geht es insbesondere um die Frage, welche technischen Systeme bereits heute einsatzbereit sind und an welchen Stellen sie im Sozialbereich sinnvoll unterstützen könnten. Im Fokus stehen sogenannte Multi-Agenten-Systeme und generative KI-Modelle, die in der Lage sind, komplexe Aufgaben zu strukturieren und eigenständig Lösungen zu entwickeln.
Ein zentrales Ergebnis der bisherigen Forschung deutet darauf hin, dass viele Aufgaben, die derzeit noch manuell erledigt werden, zumindest teilweise automatisiert werden könnten. Dazu zählen etwa die Recherche nach passenden Unterstützungsangeboten für Hilfesuchende, das Zusammenstellen relevanter Informationen für Beratungsgespräche oder die Koordination zwischen verschiedenen Trägern. Gerade in Fällen, in denen mehrere Institutionen beteiligt sind, könnten digitale Systeme Abläufe beschleunigen und transparenter gestalten.
Deutscher Ethikrat
Allerdings zeigt sich auch, dass der Einsatz solcher Technologien an klare Voraussetzungen geknüpft ist. Neben der technischen Infrastruktur spielen organisatorische und ethische Fragen eine entscheidende Rolle. Der Deutsche Ethikrat hat bereits 2023 darauf hingewiesen, dass der Einsatz von KI stets auch Auswirkungen auf das menschliche Selbstverständnis und gesellschaftliche Strukturen hat. Besonders relevant sei die Frage, ob durch den Einsatz von KI menschliche Verantwortung gestärkt oder geschwächt werde. Wenn Maschinen Aufgaben übernehmen, die bislang Menschen vorbehalten waren, verändert sich zwangsläufig auch die Rolle der Fachkräfte.
Im Sozialbereich betrifft das nicht nur praktische Abläufe, sondern auch das Verhältnis zwischen Berater und Klient. Vertrauen, Verantwortung und persönliche Interaktion lassen sich nur begrenzt digital abbilden. Entsprechend vorsichtig wird in der Forschung diskutiert, wie KI-Systeme gestaltet sein müssen, damit sie unterstützend wirken, ohne zentrale menschliche Aspekte zu verdrängen. Die Entwicklung solcher Systeme erfordert daher nicht nur technisches Know-how, sondern auch ein tiefes Verständnis sozialer Prozesse.
Einblicke in diese Fragestellungen bietet eine Veranstaltung am 24.6.26 [➚], bei der Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg ihre bisherigen Erkenntnisse aus dem Projekt KIDaS vorstellen. Neben einem Überblick über den aktuellen Stand der Technik sollen auch konkrete Anwendungsszenarien diskutiert werden. Darüber hinaus haben Besucher die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen. Ziel ist es, gemeinsam auszuloten, wie KI-gestützte Systeme in der Praxis eingesetzt werden könnten und welche Bedingungen dafür erfüllt sein müssen.
Nürnberg Digital Festival
Die Veranstaltung ist Teil eines größeren Rahmens: dem Nürnberg Digital Festival, das vom 22.6. bis zum 2.7.26 stattfindet. Unter dem Motto „Recode the Future“ verwandelt sich die Metropolregion Nürnberg in einen Treffpunkt für digitale Innovation, technologischen Austausch und gesellschaftliche Debatten rund um den digitalen Wandel. Mehr als 200 Veranstaltungen stehen auf dem Programm – von Vorträgen und Workshops über Ausstellungen bis hin zu offenen Diskussionsformaten.
Das Festival richtet sich an ein breites Publikum. Unternehmen, Start-ups, Hochschulen und interessierte Bürger kommen hier zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen auszutauschen und neue Impulse zu gewinnen. Themen wie Künstliche Intelligenz, Cybersecurity, digitale Arbeitswelten, Design oder Nachhaltigkeit werden aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Dabei geht es nicht nur um technische Innovationen, sondern auch um deren Auswirkungen auf Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Vernetzung. Über 190 Organisationen aus der Region beteiligen sich aktiv an der Gestaltung des Programms. Sie bringen ihre Expertise ein, präsentieren Projekte und schaffen Räume für Dialog und Zusammenarbeit. Das Festival versteht sich dabei als offene Plattform, die den Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft fördern soll.
Seinen Ursprung hat das Nürnberg Digital Festival in einer gemeinschaftlichen Initiative, die bis heute Bestand hat. Neben einem festen Organisationsteam engagieren sich zahlreiche freiwillige Helfer, die in unterschiedlichen Bereichen zum Gelingen beitragen – von Öffentlichkeitsarbeit über Technik bis hin zur redaktionellen Begleitung. Diese breite Beteiligung trägt dazu bei, dass das Festival nicht nur als Veranstaltungsreihe wahrgenommen wird, sondern als lebendiges Netzwerk.
Bayerischer Digitalgipfel
Ein weiterer Höhepunkt des diesjährigen Programms ist der Bayerische Digitalgipfel, der am 25.6.26 im Rahmen des Festivals stattfindet. Hier treffen sich Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Forschung, um über zentrale Zukunftsfragen der Digitalisierung zu diskutieren. Themen wie Innovationsförderung, digitale Infrastruktur und gesellschaftliche Transformation stehen dabei im Mittelpunkt.
Gerade für Hochschulen bietet das Festival eine wichtige Bühne. Einrichtungen wie die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg oder die Technische Hochschule Nürnberg nutzen die Gelegenheit, ihre Forschung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Gerade für Studierende und junge Wissenschaftler eröffnet sich hier die Möglichkeit, eigene Projekte vorzustellen und Kontakte zu knüpfen.
Die Verbindung von Forschung und Praxis zeigt sich besonders deutlich in Veranstaltungen wie jener zum Projekt KIDaS. Hier wird greifbar, wie theoretische Konzepte in konkrete Anwendungen übersetzt werden können. Gleichzeitig wird deutlich, dass Digitalisierung nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern immer im Zusammenspiel mit gesellschaftlichen Rahmenbedingungen steht.

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