„So geht Kirchweih!“ – Rentweinsdorf rüstet sich für seine große Festwoche


Wenn im Markt Rentweinsdorf die Kirchweih beginnt, dann ist das weit mehr als nur ein Termin im Veranstaltungskalender. Dann verwandelt sich der Ort für mehrere Tage in einen Treffpunkt für Familien, ehemalige Einwohner, Vereine, Schausteller und Gäste aus dem gesamten Umland. Im Altlandkreis Ebern gilt die Rentweinsdorfer Kirchweih seit Jahrzehnten als Maßstab dafür, wie ein traditionsreiches Fest organisiert werden kann. Das inoffizielle Motto lautet längst: „So geht Kirchweih!“ – ein Satz, der zwischen Autoscooter, Planplatz und Marktsaal beinahe wie ein selbstverständliches Gütesiegel wirkt.

Von Mittwoch, 13.5.26, bis Montag, 18.5.26, wird in Rentweinsdorf wieder gefeiert. Der Marktgemeinderat hatte den Termin bereits in seiner Sitzung vom 12.1.26 beschlossen. Für viele Einwohner dürfte dieser Beschluss kaum mehr als eine Formalität gewesen sein. Denn in Rentweinsdorf gehört die Kirchweih nicht nur zum Jahreslauf – sie prägt den Ort seit Generationen.

Best Practice Rentweinsdorf

Während andernorts darüber diskutiert wird, wie man Besucher überhaupt noch auf Kirchweihen locken könne, scheint man in Rentweinsdorf von solchen Sorgen weit entfernt zu sein. Bürgermeister aus dem weiten Umland könnten sich hier abschauen, wie ein solches Fest organisiert wird. Der Bürgermeister von Rentweinsdorf muss jedenfalls niemanden überreden, den Seniorenkreis auf die Kirchweih zu schicken. Die Menschen kommen freiwillig – und das in großer Zahl. Bereits am Nachmittag füllen sich Straßen und Sitzplätze, später drängen sich Jugendliche vor den Fahrgeschäften, Familien ziehen über den Festplatz und ältere Besucher nehmen sich Zeit für Gespräche vor dem Marktsaal oder entlang der Buden.

Vergnügungspark

Das Herzstück der Kirchweih bleibt auch in diesem Jahr der Vergnügungspark auf dem Planplatz. Zentraler könnte ein Festplatz kaum liegen: Zwischen Schloss, Kirche und Marktsaal eingebettet, gehört der Planplatz seit Jahrzehnten fest zur Rentweinsdorfer Kirchweih. Wer dort entlanggeht, bewegt sich mitten durch das gesellschaftliche Zentrum des Ortes. Genau diese Nähe macht einen Teil der besonderen Atmosphäre aus.

Und dort gibt es ihn eben noch, den klassischen Vergnügungspark, den viele kleinere Kirchweihen inzwischen verloren haben. Kinder- und Kettenkarussell gehören ebenso dazu wie der Autoscooter. Daneben reihen sich Buden, Verkaufsstände und Wagen aneinander. Für viele Kinder beginnt die Vorfreude bereits Tage vorher mit der Frage, wie oft die Eltern wohl noch eine Runde Autoscooter erlauben werden. Erwachsene wiederum erinnern sich gern daran, dass sie selbst schon vor Jahrzehnten über den selben Platz gelaufen sind.

Dass Schausteller überhaupt noch bereit sind, kleinere und mittlere Kirchweihen anzufahren, ist vielerorts keine Selbstverständlichkeit mehr. Steigende Kosten, lange Fahrwege und wirtschaftliche Unsicherheiten sorgen häufig dafür, dass traditionelle Festplätze kleiner werden oder ganz verschwinden. In Rentweinsdorf versucht man deshalb, die Rahmenbedingungen attraktiv zu halten. Laut Beschluss des Marktgemeinderates [➚] wurde der Schaustellerbetrieb Pakull mit seinem Angebot zugelassen. Der Pachtpreis für die Nutzung des Geländes beträgt 1.000 Euro.

Gerade diese vergleichsweise günstigen Konditionen gelten vielen als ein wichtiger Grund dafür, dass der Festbetrieb auf dem Planplatz weiterhin in vollem Umfang stattfinden kann. Denn ohne Schausteller keine Kirchweih – und ohne Fahrgeschäfte würde dem Fest ein wesentlicher Teil seiner Anziehungskraft fehlen.

200 Fahrkarten für den Bürgermeister

Besonders bemerkenswert ist dabei ein weiterer Bestandteil des Gemeinderatsbeschlusses. Dem Bürgermeister von Rentweinsdorf sollen zu Beginn der Kirchweih 200 Fahrkarten der Fahrgeschäfte übergeben werden. Diese sind für finanzschwache Familien bestimmt. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass Kinder wegen knapper Haushaltskassen außen vor bleiben müssen. Gerade in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten wird eine solche Regelung vielerorts aufmerksam registriert. Denn Kirchweih bedeutet in Franken traditionell Gemeinschaft – und die soll möglichst niemanden ausschließen.

Kirchweihbaum

Die eigentliche Eröffnung beginnt bereits am Mittwoch, 13.5.26. Dann stellen die „Kerwasfreunde Rentweinsdorf e.V.“ den Kirchweihbaum auf. Die Fahrgeschäfte und Buden bleiben an diesem Tag allerdings noch geschlossen. Dadurch erhält der Auftakt beinahe einen feierlichen Charakter. Erst steht das gemeinsame Aufstellen des Baumes im Mittelpunkt, anschließend wächst die Spannung auf die folgenden Tage.

Geschichte

Dass die Rentweinsdorfer Kirchweih eine lange Tradition besitzt, zeigt bereits ein Blick auf die Geschichte des Ortes und seiner Kirche. Der Chronist des Baunachgrundes, Georg Ludwig Lehnes, beschrieb Mitte des 19. Jahrhunderts ausführlich die Entstehung der Pfarrkirche zur Heiligen Dreifaltigkeit. Demnach habe der Bau im Jahr 1597 begonnen und sei 1600 vollendet worden. Die Einweihung habe am 19.1.1601 stattgefunden.

Lehnes schilderte dabei nicht nur die architektonische Bedeutung des Gotteshauses, sondern auch die Auseinandersetzungen um dessen Entstehung. Die Pfarrei Ebern habe das Erstarken der einstigen Tochterkirche offenbar nur widerwillig begleitet. Gestiftet worden sei die Kirche von mehreren Freiherren von Rotenhan, deren Andenken bis heute an den Denkmälern beim Eingang vom Markt aus erinnert werde.

Der Chronist beschrieb die Kirche als ein Bauwerk „in edlem, schönen Styl“, das dem Ort zur „wahren Zierde“ diene. Auch die Glocken fanden besondere Erwähnung. Drei große Glocken seien im Jahr 1600 gegossen worden und hätten ein harmonisches Geläute erzeugt. Eine vierte Glocke in der sogenannten Laterne des Turmes habe der Gemeinde gehört und die Einwohner zu öffentlichen Versammlungen gerufen. Selbst die Turmuhr stamme noch aus jener Zeit.

Lehnes berichtete außerdem von dramatischen Ereignissen rund um die Kirche. So habe am 22.8.1795 ein Blitz während eines schweren Gewitters in die Turmspitze eingeschlagen. Eine mächtige Feuerflamme sei ausgebrochen, ehe ein weiterer Blitzstrahl das Feuer wieder gedämpft habe. Später habe man den Turmknopf entfernen und eine neue Helmstange einsetzen müssen.

Auch von Renovierungen und technischen Neuerungen wusste der Chronist zu erzählen. Im Sommer 1805 sei die Kirche von einem Tünchermeister aus Ebern ausgeweißt worden. Im Jahr 1824 habe schließlich ein Eisenhändler aus Würzburg einen Blitzableiter errichtet.

Solche historischen Überlieferungen mögen auf den ersten Blick wenig mit Autoscooter und Kettenkarussell zu tun haben. In Rentweinsdorf gehören Vergangenheit und Gegenwart jedoch eng zusammen. Die Kirchweih erinnert schließlich ursprünglich an die Weihe einer Kirche. Auch wenn heute für viele Besucher eher der Festbetrieb im Mittelpunkt steht, bleibt die Verbindung zur Geschichte sichtbar.

Im Altlandkreis Ebern gilt die Rentweinsdorfer Kirchweih deshalb längst als etwas Besonderes. Während manche Orte ihre Kirchweihen verkleinern mussten oder Schwierigkeiten haben, genügend Schausteller und Besucher zu gewinnen, wirkt Rentweinsdorf beinahe wie ein Gegenmodell. Das Fest lebt nicht allein von Musik oder Fahrgeschäften, sondern vom Zusammenspiel vieler Faktoren: von kurzen Wegen, einer zentralen Lage, engagierten Vereinen, einer starken Tradition und einer Bevölkerung, die ihre Kirchweih sichtbar mitträgt.

Wenn dann am Abend die Lichter der Fahrgeschäfte auf dem Planplatz leuchten und sich die Wege zwischen Schloss, Kirche und Marktsaal füllen, dürfte auch 2026 wieder jener Satz zu hören sein, der im Altlandkreis Ebern seit Jahren beinahe schon sprichwörtlich geworden ist: „So geht Kirchweih!“


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