Vom Modehaus zur Galerie: Sanierung mit Strahlkraft für die Altstadt


Wenn sich am Sonntag, 28.6.26, zwischen 14:00 und 16:00 Uhr die Türen der Ebern-Galerie am Stadtberg öffnen, bietet sich den Besucherinnen und Besuchern die Gelegenheit, ein Projekt kennenzulernen, das in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Baustein der Altstadtentwicklung geworden ist. Die Ebern-Galerie wurde in das Programm der „Architektouren in Bayern“ [➚] aufgenommen und zählt damit zu den 199 Projekten, die an diesem Jubiläumswochenende der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Die Architektouren der Bayerischen Architektenkammer feiern in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen. Seit drei Jahrzehnten verfolgt die Veranstaltungsreihe das Ziel, Baukultur sichtbar und erlebbar zu machen. An einem Wochenende im Juni öffnen in ganz Bayern ausgewählte Gebäude, Freianlagen, Innenräume und städtebauliche Projekte ihre Türen. Die Bandbreite reicht von Schulen und Kindergärten über Verwaltungsgebäude bis hin zu Wohnanlagen, Museen und Geschäftshäusern. Ein unabhängiger Fachbeirat entscheidet darüber, welche Objekte in das Programm aufgenommen werden.

Dass die Ebern-Galerie nun zu diesem Kreis gehört, verleiht dem Vorhaben eine überregionale Aufmerksamkeit. Dabei handelt es sich keineswegs um einen Neubau, sondern um die Umgestaltung eines Gebäudes, das vielen Einwohnern seit Jahrzehnten vertraut ist. Lange Zeit war das Haus als Kaufhaus beziehungsweise Textilhaus Xaver Mayr bekannt. Über Generationen hinweg gehörte es zum Stadtbild und war eng mit dem Einkaufsleben der Altstadt verbunden.

Das markante Gebäude in der Ritter-von-Schmitt-Straße blickt auf eine lange Geschichte zurück. Errichtet wurde es im Jahr 1890. Damit stammt es aus einer Zeit, in der Geschäftshäuser in den fränkischen Kleinstädten zunehmend repräsentativer gestaltet wurden. Im Vergleich zum inzwischen verschwundenen Gasthof Post ist die Ebern-Galerie jünger: Der frühere Gasthof entstand rund 15 Jahre früher. Besonders seine Lage als Eckhaus verschaffte dem Gebäude stets eine besondere Präsenz am Stadtberg. Wer durch die Altstadt von Ebern geht, nimmt schnell wahr, dass solche Häuser das Erscheinungsbild einer Stadt prägen und zur historischen Identität beitragen.

Umso bedeutender war die Frage, wie mit dem ehemaligen Modehaus künftig umgegangen werden sollte. Leerstände und Funktionsverluste beschäftigen seit Jahren viele Innenstädte. In Ebern entschied man sich dafür, die vorhandene Bausubstanz zu erhalten und grundlegend zu erneuern. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten wurde das Haus im Februar 2025 wieder eröffnet.

Seitdem hat sich dort die Ebern-Galerie als Kultur- und Begegnungsort etabliert. In den Räumen finden Ausstellungen, Vorträge, Lesungen und Konzerte statt. Die neue Nutzung verleiht dem früheren Geschäftshaus eine Aufgabe, die weit über seine ursprüngliche Funktion hinausgeht. Wo einst Kleidung verkauft wurde, begegnen sich heute Kunst, Kultur und gesellschaftliches Leben.

Wer die Ebern-Galerie am kommenden Sonntag besucht, wird allerdings nicht zum ersten Mal Gelegenheit haben, das Gebäude nach seiner Erneuerung zu betreten. Seit Abschluss der Arbeiten fanden bereits zahlreiche Veranstaltungen und Ausstellungen statt. Das Haus ist daher kein unbekannter Ort mehr. Dennoch verspricht die Teilnahme an den Architektouren einen besonderen Blickwinkel. Im Mittelpunkt stehen diesmal weniger die ausgestellten Werke als vielmehr das Gebäude selbst und die Fragen, die mit seiner Umgestaltung verbunden sind.

Nach Angaben der Veranstalter sollen während der Führungen Einblicke in die planerischen Entscheidungen und die baulichen Maßnahmen gegeben werden. Auch die Entwicklung von der früheren Handelsimmobilie zum heutigen Kulturstandort wird thematisiert. Zudem besteht die Möglichkeit, mit an der Umsetzung Beteiligten ins Gespräch zu kommen und Hintergründe zur Entstehungsgeschichte des Projekts zu erfahren.

Die Sanierung gilt als Beispiel dafür, wie bestehende Bausubstanz weitergenutzt werden kann, anstatt sie aufzugeben oder durch einen Neubau zu ersetzen. Gerade in historischen Altstädten gewinnt dieser Gedanke zunehmend an Bedeutung. Gebäude, die über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte hinweg das Ortsbild geprägt haben, erzählen ein Stück Stadtgeschichte.

Dabei verlief die Umgestaltung der Ebern-Galerie nicht ohne gestalterische Abwägungen. Insbesondere der neu geschaffene Laubengang im Erdgeschoss fällt ins Auge. Mit seinen unterschiedlich großen rechteckigen Öffnungen setzt er einen deutlich modernen Akzent. Die Gestaltung wirkt bewusst zeitgenössisch und hebt sich von der historischen Erscheinung des Hauses ab. Nicht jeder wird darin eine harmonische Verbindung von Alt und Neu erkennen. Manche Betrachter dürften den Eindruck gewinnen, dass dieser Bereich nur bedingt zum Charakter des Gebäudes aus dem späten 19. Jahrhundert passt.

Gerade an dieser Stelle zeigt sich jedoch ein Phänomen, das viele Sanierungsprojekte begleitet. Soll historische Architektur möglichst originalgetreu erhalten werden, oder darf sie sichtbar die Handschrift ihrer jeweiligen Epoche tragen? Eine allgemeingültige Antwort gibt es darauf nicht. Architektur bewegt sich häufig im Spannungsfeld zwischen Bewahrung und Veränderung. Die Ebern-Galerie liefert dafür ein Beispiel.

Möglicherweise hätten andere Lösungen den ursprünglichen Charakter des ehemaligen Geschäftshauses stärker betont. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Verantwortlichen bewusst keine reine Rekonstruktion anstrebten. Stattdessen entstand ein Gebäude, das seine Geschichte erkennen lässt und zugleich neue Nutzungen ermöglicht.

Auch über die Grenzen Eberns hinaus wird über Architektur und Baukultur regelmäßig diskutiert. Die Architektouren bieten dafür Jahr für Jahr eine Plattform. Unter den 199 ausgewählten Projekten finden sich sehr unterschiedliche Bauaufgaben. Einige Vorhaben beeindrucken durch ihre gestalterische Qualität oder ihren sensiblen Umgang mit historischer Substanz. Andere lösen kontroverse Reaktionen aus. Was als besonders gelungen [➚] empfunden wird, hängt schließlich auch vom persönlichen Blickwinkel ab.

Wer sich durch die Projektliste der Architektouren arbeitet, entdeckt eine bemerkenswerte Vielfalt. Moderne Schulgebäude stehen neben sanierten Altbauten, innovative Wohnanlagen neben öffentlichen Einrichtungen. Manche Projekte setzen auf klare, reduzierte Formen, andere auf regionale Bautraditionen. Nicht jede Lösung [➚] dürfte uneingeschränkte Zustimmung hervorrufen. Gerade diese Unterschiedlichkeit macht jedoch den Reiz der Veranstaltung aus. Architektur ist selten eine Angelegenheit, bei der alle die selbe Meinung vertreten.

In Ebern richtet sich der Blick an diesem Wochenende auf ein Gebäude, das für die Entwicklung der Altstadt eine besondere Rolle spielt. Die Umnutzung des ehemaligen Kaufhauses hat dazu beigetragen, einen markanten Standort neu zu beleben. Gleichzeitig blieb ein prägendes Haus des historischen Stadtbildes erhalten. Die Aufnahme in das Jubiläumsprogramm der Architektouren zeigt, dass dieses Vorhaben auch überregional Beachtung findet.


Kommentare