Trotz Zuwächsen bleibt der Tourismus im Bereich Haßberge auf vergleichsweise niedrigem Niveau

Symbolbild KI

Der Tourismus im Landkreis Haßberge und in der Tourismusregion Haßberge hat sich in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 leicht positiv entwickelt. Nach den aktuellen Eckdaten des Bayerischen Landesamtes für Statistik [➚] stiegen sowohl die Gästeankünfte als auch die Übernachtungszahlen gegenüber dem Vorjahreszeitraum an. Im Vergleich mit den benachbarten Landkreisen und Tourismusregionen zeigt sich jedoch ein differenziertes Bild: Die Wachstumsraten steigen zwar etwas, bei den absoluten Gäste- und Übernachtungszahlen gehören die Haßberge weiterhin zu den kleinen Tourismusstandorten in Franken.

Im Landkreis Haßberge wurden von Januar bis Mai 28.842 Gästeankünfte registriert. Das waren 4,8 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Zahl der Übernachtungen stieg sogar um 12,9 Prozent auf 66.024. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer erhöhte sich auf 2,3 Tage, die Bettenauslastung lag bei 21,6 Prozent.

Auf den ersten Blick sprechen diese Zahlen für eine erfreuliche Entwicklung. Im regionalen Vergleich wird allerdings deutlich, dass der Landkreis Haßberge trotz des Wachstums weiterhin auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau liegt. Der Landkreis Lichtenfels kam im selben Zeitraum auf 230.320 Übernachtungen und damit auf mehr als das Dreifache. Die kreisfreie Stadt Bamberg erreichte sogar knapp 284.000 Übernachtungen. Selbst dort, wo die Entwicklung gegenüber dem Vorjahr schwächer ausfiel, bewegen sich die absoluten Zahlen auf einem deutlich höheren Niveau als im Landkreis Haßberge.

Der Landkreis Bamberg musste bei den Übernachtungen zwar einen Rückgang von 7,6 Prozent hinnehmen, der Landkreis Coburg ein Minus von 1,6 Prozent. Auch in der kreisfreien Stadt Coburg gingen die Übernachtungen leicht um 0,8 Prozent zurück. Dennoch liegen diese Gebiete bei den Gästezahlen und der touristischen Infrastruktur weiterhin deutlich vor dem Landkreis Haßberge.

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Tourismusregionen. Die Tourismusregion Haßberge, die neben dem Landkreis Haßberge auch Teile der Landkreise Bamberg und Rhön-Grabfeld umfasst, verzeichnete von Januar bis Mai 102.619 Übernachtungen. Das entsprach einem Plus von 6,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Auch die Gästeankünfte legten mit 6,7 Prozent zu.

Die Entwicklung fällt damit günstiger aus als in mehreren benachbarten Tourismusregionen. Die Region Coburg Rennsteig verzeichnete einen Rückgang der Übernachtungen um 1,3 Prozent, die Region Obermain Jura mit Bad Staffelstein, Kloster Banz und Vierzehnheiligen kam lediglich auf ein Plus von 0,3 Prozent. Die Rhön steigerte ihre Übernachtungen um 2,6 Prozent.

Die prozentualen Veränderungen erzählen allerdings nur einen Teil der Geschichte. Beim Gesamtvolumen liegen die Haßberge weiterhin deutlich hinter den etablierten Destinationen zurück. Während die Tourismusregion Haßberge gut 100.000 Übernachtungen erreichte, überschritt die Rhön im gleichen Zeitraum die Marke von 1,11 Millionen Übernachtungen und kam damit auf mehr als das Elffache. Auch die Region Obermain Jura verzeichnete ein Vielfaches der Übernachtungen in den Haßbergen. Die Region Coburg Rennsteig liegt ebenfalls auf einem höheren Niveau, obwohl sich ihre Entwicklung zuletzt abgeschwächt hat.

Gerade deshalb sollten die hohen Wachstumsraten nicht isoliert betrachtet werden. Bereits vergleichsweise geringe absolute Zuwächse wirken sich bei kleineren Tourismusregionen deutlich stärker auf die Prozentwerte aus als in Regionen mit einem wesentlich höheren Gästeaufkommen. Die Statistik zeigt somit weniger einen grundlegenden Wandel der touristischen Kräfteverhältnisse als vielmehr eine positive Entwicklung auf einer vergleichsweise kleinen Ausgangsbasis.

Für Ebern sind diese Zahlen durchaus von Bedeutung. Die Stadt liegt nahezu mittig zwischen den touristischen Anziehungspunkten Bamberg und Coburg sowie in kurzer Entfernung zum Obermain mit Bad Staffelstein, Kloster Banz und der Basilika Vierzehnheiligen. Diese Nachbarregionen ziehen Jahr für Jahr ein deutlich größeres Gästeaufkommen an als die Haßberge selbst.

Wie könnte sich Ebern künftig positionieren?

Bislang steht die Stadt vor allem als Teil des Deutschen Burgenwinkels und des Natur- und Aktivtourismus im Mittelpunkt der Vermarktung. Gleichzeitig liegt sie geographisch zwischen mehreren touristischen Schwergewichten Nordbayerns. Die aktuellen Zahlen des Landesamtes unterstreichen, dass die Tourismusregion Haßberge zwar wächst, im Wettbewerb mit den benachbarten Destinationen aber weiterhin nur ein vergleichsweise kleines Marktvolumen erreicht.

Diese Einordnung erhält zusätzliches Gewicht durch die jüngste Mitgliederversammlung von Haßberge Tourismus. Dort verwies der Verband auf den Anstieg der Übernachtungen und kündigte an, künftig verstärkt auf digitale Vermarktung, Open-Data-Angebote und den Einsatz Künstlicher Intelligenz zu setzen. Außerdem entstehen neue Übernachtungsangebote in der Region, etwa in Kirchlauter. Die aktuellen Statistiken machen jedoch deutlich, dass diese Maßnahmen langfristig vor allem dazu beitragen müssen, die absolute Zahl der Gäste zu erhöhen. Denn der Abstand zu den benachbarten Tourismusregionen und zu den touristischen Zentren Bamberg, Coburg und Obermain bleibt weiterhin beträchtlich.


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