Neue Windräder am Bretzenstein: Stadtrat Ebern entscheidet über nächsten Schritt

Symbolbild KI

Das große Windrad auf dem Bretzenstein ist inzwischen zu einem weithin sichtbaren Bestandteil der Landschaft rund um Ebern geworden. Nun könnte sich das Bild weiter verändern. Der Eberner Stadtrat beschäftigt sich in seiner nächsten öffentlichen Sitzung am 24.9.26 mit dem Windvorranggebiet W 115 – dem Areal am Bretzenstein. Dort könnten in den kommenden Jahren zwei bis drei weitere Windkraftanlagen entstehen. Mit der vorgesehenen Gründung einer gemeinsamen Vergabegruppe von Ebern und Untermerzbach soll nun das Verfahren zur Auswahl eines geeigneten Projektentwicklers auf den Weg gebracht werden.

Damit rückt zugleich ein Thema in den Blick, das über die eigentliche Auswahl eines Projektentwicklers hinausgeht: die mögliche Veränderung von Landschaft und Stadtbild. Das bereits errichtete große Windrad auf dem Bretzenstein ist von Ebern aus deutlich wahrnehmbar und hat damit einen sehr starken Einfluss auf die Stadtsilhouette. Da voraussichtlich zwei bis drei weitere Windkraftanlagen errichtet werden könnten, würde sich das Erscheinungsbild der Landschaft in diesem Bereich entsprechend weiter verändern. Welche konkrete Wirkung dies auf die Umgebung und die Sichtbeziehungen zur Stadt hätte, hängt allerdings von der späteren Planung, der Zahl der Anlagen und ihrer genauen Platzierung ab.

Das W 115 ist im Regionalplan Main-Rhön offiziell als Windvorranggebiet ausgewiesen. Solche Gebiete sind grundsätzlich für die Nutzung der Windenergie vorgesehen. Das Gebiet liegt östlich von Ebern und südwestlich von Untermerzbach und reicht bis an den Bereich heran, in dem bereits das neue Windrad auf dem Bretzenstein steht.

Für die beteiligten Kommunen stellt sich damit die Frage, wie die weitere Entwicklung des Gebietes gesteuert werden kann. Ebern und Untermerzbach haben gemeinsam mit privaten Grundstückseigentümern deshalb ein sogenanntes Flächen-Pooling organisiert. Dabei werden einzelne Grundstücke für die Entwicklung des Windvorranggebietes gebündelt.

Die jeweiligen Gemeinderäte haben dem dafür erforderlichen Pooling-Vertrag zugestimmt. Durch die Zusammenfassung der Grundstücke können die beteiligten Kommunen ihre Einflussmöglichkeiten bei der weiteren Entwicklung des Gebietes besser bündeln. Nun soll mit dem Interessensbekundungsverfahren der nächste Schritt folgen.

Dabei handelt es sich zunächst nicht um die endgültige Vergabe eines Bauauftrags. Vielmehr wird der Markt geöffnet, damit interessierte Projektentwickler ihre Konzepte vorlegen können. Gefragt ist, welche Unternehmen Interesse an der Umsetzung des Vorhabens haben und wie sie die geplanten Anlagen konkret realisieren wollen. Neben technischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten können dabei auch Fragen des Natur- und Landschaftsschutzes berücksichtigt werden.

Für diesen Auswahlprozess soll nun eine Vergabegruppe eingerichtet werden. Sie wird mit Vertretern aus Ebern und Untermerzbach besetzt und soll das Verfahren begleiten. Zu ihren Aufgaben gehört es, die Kriterien für die Auswahl festzulegen, die eingehenden Bewerbungen zu prüfen und anschließend eine Empfehlung für die weitere Entscheidung des Stadtrates vorzubereiten.

Damit erhält das Thema Windkraft im Eberner Stadtrat erneut eine konkrete kommunalpolitische Dimension. Denn die Frage nach zusätzlichen Anlagen betrifft nicht allein die Stromerzeugung. Windkraftanlagen erreichen eine erhebliche Höhe und sind dadurch über größere Entfernungen sichtbar. Gerade in der Umgebung einer historisch geprägten Stadt wie Ebern kann sich dadurch die Wahrnehmung des Landschaftsbildes verändern.

Besonders deutlich wird dies beim Blick auf die Stadtsilhouette. Ebern verfügt mit dem Grauturm, der historischen Altstadt und den weiteren prägenden Gebäuden über ein charakteristisches Stadtbild. Das neue Windrad auf dem Bretzenstein ist aus verschiedenen Richtungen bereits Teil dieses Gesamtbildes geworden. Weitere Anlagen in unmittelbarer Nähe könnten die Wirkung nochmals verändern.

Bürgermeisterin Zimmer hatte im Kommunalwahlkampf erklärt, dass eine mögliche weitere Entwicklung der Windenergie mit Augenmaß erfolgen solle. Was darunter konkret zu verstehen ist, dürfte auch von der weiteren Planung des W 115 abhängen. Hinzu kommt eine Besonderheit am Bretzenstein selbst. Im Zusammenhang mit dem sogenannten Repowering war vorgesehen, die beiden älteren und kleineren Windräder dort abzubauen. Beim Repowering werden ältere Anlagen üblicherweise durch leistungsfähigere und meist größere Windkraftanlagen ersetzt. Die beiden älteren Windräder stehen allerdings weiterhin am Bretzenstein.

Neben dem Windvorranggebiet stehen bei der öffentlichen Sitzung des Eberner Stadtrates weitere kommunale Themen auf der Tagesordnung. Dazu gehört zunächst die Genehmigung der Niederschriften aus dem öffentlichen Teil mehrerer Sitzungen.

Außerdem ist die Vereidigung der neu gewählten Ortssprecherin Hanna Blauberger vorgesehen. Damit wird eine weitere formelle Aufgabe innerhalb der kommunalen Gremien wahrgenommen. Anschließend soll sich der Stadtrat mit einer Förderrichtlinie für den Verfügungsfonds der Stadt Ebern beschäftigen.

Auch die Frauengrundhalle nimmt einen größeren Teil der Tagesordnung ein. Gleich drei Auftragsvergaben sind vorgesehen. Sie betreffen die Gerüstbauarbeiten, die Dachdecker- und Spenglerarbeiten sowie die Außenputzarbeiten. Die einzelnen Vergaben stehen damit im Zusammenhang mit den weiteren Arbeiten an dem Gebäude.

Ein weiterer Auftrag betrifft die Klärschlammentsorgung für das Jahr 2027. Damit geht es um eine laufende kommunale Aufgabe, die im Rahmen der entsprechenden Vergabeverfahren geregelt werden muss.

Ebenfalls auf der Tagesordnung steht die Auftragsvergabe für die Bauleitplanung im Bereich Sandhof – Ruppacher Knockäcker. Dort geht es um den Bebauungsplan Nummer 158. Mit der Vergabe der Planungsleistungen wird ein weiterer Schritt für die städtebauliche Entwicklung des betreffenden Bereichs vorbereitet. Unter dem Tagesordnungspunkt „Informationen“ können schließlich weitere Themen aus der laufenden Arbeit von Stadtverwaltung und Stadtrat angesprochen werden.


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