Yrsa von Leistners Denkmal in Ebern wird restauriert – und erzählt eine besondere Geschichte


Während in der Karl-Hoch-Anlage in Ebern derzeit ein Gerüst rund um das Denkmal „Werden-Sein-Vergehen“ steht, richtet sich der Blick nicht nur auf die notwendigen Sanierungsarbeiten, sondern auch auf die Geschichte des Kunstwerks. Die Restaurierung hat inzwischen sogar das Interesse eines Dokumentarfilmers geweckt. Uli Pförtner dreht aktuell eine Dokumentation über die international renommierte Bildhauerin Yrsa von Leistner und begleitet dabei die Arbeiten am Eberner Denkmal. Dass ausgerechnet Ebern zu einem wichtigen Drehort geworden ist, geht auf einen Zeitungsbericht zurück, durch den der Filmemacher auf das Kunstwerk aufmerksam wurde.

Im Mittelpunkt der Dreharbeiten steht eine Figurengruppe, die seit Jahrzehnten zum Stadtbild gehört und dennoch häufig übersehen wird. Das Werk „Werden-Sein-Vergehen“ befindet sich in der Karl-Hoch-Anlage und gilt als Beispiel des expressionistischen Realismus. Geschaffen wurde es 1963 und 1964 von Yrsa von Leistner. Die allegorische Darstellung setzt sich mit den verschiedenen Stationen des menschlichen Lebens auseinander und zeigt die Themen Werden, Sein und Vergehen in einer ausdrucksstarken Formensprache.

Aktuell wird das Denkmal erneut umfassend restauriert. Der Bamberger Bildhauer und Restaurator Adelbert Heil arbeitet an der Figurengruppe, deren Material im Laufe der Jahrzehnte erheblich unter Wind und Wetter gelitten hat. Das Werk besteht aus Zementguss, einem Material, das sich langfristig als deutlich anfälliger erwiesen hat als eine Ausführung in Bronze. Risse, Feuchtigkeit und witterungsbedingte Schäden machten eine erneute Restaurierung notwendig. Für Adelbert Heil ist die Aufgabe nicht neu. Bereits 2007 hatte er das Kunstwerk vor weiterem Verfall bewahrt und umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen durchgeführt. Nun setzt er diese Arbeit fort, um die Figurengruppe erneut zu sichern und für kommende Jahre zu erhalten.

Die Restaurierung bildet zugleich einen zentralen Bestandteil der Dreharbeiten von Uli Pförtner. Der Filmemacher dokumentiert nicht nur die handwerkliche Arbeit des Restaurators, sondern erzählt anhand des Eberner Denkmals auch die Lebensgeschichte seiner Schöpferin. Yrsa von Leistner zählt zu den bedeutenden Bildhauerinnen des 20. Jahrhunderts. Ihre Werke sind weit über Deutschland hinaus bekannt und befinden sich unter anderem in Berlin, Nagasaki, im Vatikan sowie im amerikanischen St. Louis. Sie schuf Büsten von Bundeskanzler Konrad Adenauer, von zwei Päpsten sowie zahlreichen Monarchen und politischen Persönlichkeiten. Dass sich eines ihrer Werke ausgerechnet in einer fränkischen Kleinstadt befindet, macht Ebern für die Dokumentation besonders interessant.

Im Rahmen eines Treffens Ende Juni 2026 mit Bürgermeisterin Isabell Zimmer wurden Pläne vorgestellt, das Denkmal künftig besser zur Geltung zu bringen. So soll am Eingang der Karl-Hoch-Anlage ein neues Hinweisschild entstehen, das auf das Kunstwerk und seine Geschichte aufmerksam macht.

Dabei blickt die Stadt auf eine bemerkenswerte Vergangenheit des Denkmals zurück. Ursprünglich war „Werden-Sein-Vergehen“ nicht für Ebern vorgesehen. Durch die Vermittlung eines Privatmanns gelangte das Werk schließlich im Jahr 1965 nach Ebern und wurde im Anlagenring aufgestellt. Damit erhielt die Stadt ein Werk einer Bildhauerin, deren Name bereits damals weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt war.

Yrsa von Leistner hatte der Stadt das Kunstwerk damals als Schenkung angeboten. Nach damaligen Berichten hätte Ebern lediglich die Kosten für den Bronzeguss in Höhe von 2.300 D-Mark übernehmen müssen. Um Geld sparen zu können, entschied man sich jedoch gegen die ursprünglich vorgesehene Bronzeplastik und ließ stattdessen einen kostengünstigeren Abguss aus Beton beziehungsweise Zementguss herstellen. Was damals als wirtschaftliche Entscheidung erschien, erwies sich langfristig als problematisch. Das Material zeigte im Laufe der Jahrzehnte immer stärkere Schäden, so dass wiederholt aufwendige Restaurierungen notwendig wurden. Die Kosten dieser Maßnahmen übersteigen inzwischen den Betrag, der seinerzeit für den Bronzeguss angefallen wäre, deutlich.

Die Materialwahl prägt die Geschichte des Denkmals bis heute. Während Bronze über viele Jahrzehnte nahezu unverändert im öffentlichen Raum bestehen kann, reagiert Zementguss wesentlich empfindlicher auf Frost, Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen. Genau diese Materialeigenschaften machen die regelmäßigen Erhaltungsmaßnahmen erforderlich. Für Restaurator Adelbert Heil bedeutet dies eine anspruchsvolle Aufgabe, denn Ziel ist es, die ursprüngliche Wirkung der Figurengruppe zu bewahren und gleichzeitig die Schäden dauerhaft zu begrenzen.

Yrsa von Leistner wurde 1917 in München geboren. Als Tochter eines Kirchenbaumeisters und einer dänischen Sängerin verbrachte sie Teile ihrer Kindheit unter anderem in Mexiko und den Vereinigten Staaten. Bereits im Alter von 16 Jahren begann sie ihr Studium an der Kunstakademie München und wurde zwei Jahre später Meisterschülerin. Früh machte sie mit monumentalen Arbeiten auf sich aufmerksam. Mit erst 21 Jahren schuf sie die mehr als drei Meter hohe Bronzeplastik „Der Kriegsblinde“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ sich die Bildhauerin in Bonn nieder. Dort entstand auch ihre erste Porträtbüste von Konrad Adenauer, nach 1945. Adenauer soll die Künstlerin mehrfach in ihrem Atelier besucht haben. Neben zahlreichen Porträtbüsten widmete sich Yrsa von Leistner zunehmend religiösen Themen. Werke wie „Heimkehrer mit Mutter“ oder das Relief „Heimkehr“ spiegeln ebenso wie viele ihrer späteren Arbeiten ihre Auseinandersetzung mit Vergebung, Versöhnung sowie menschlicher Verantwortung wider. Ihre monumentalen Skulpturen und sakralen Werke fanden Eingang in Museen, öffentliche Plätze und Sammlungen auf mehreren Kontinenten.

Die reliefartige Plastik, die unter Denkmalschutz steht, ist übrigens nicht das einzige Kunstwerk aus der Mitte des 20. Jahrhunderts in Ebern. Auch Arbeiten des aus Bamberg stammenden Bildhauers Robert Bauer-Haderlein prägen das Stadtbild. Von ihm stammt unter anderem ein Relief in der Sparkasse. Eine weitere Figurengruppe, die sich einst zwischen der alten Schwimmhalle und der Realschule befand, musste im Zuge der Schulsanierung und des Abrisses der alten Schwimmhalle entfernt werden, steht nun aber wieder – restauriert – an der Realschule. Mit den laufenden Restaurierungsarbeiten erhält nun das Denkmal „Werden-Sein-Vergehen“ neue Aufmerksamkeit.


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