Das „Sozialportal Haßberge“ – was Senioren davon haben sollen

Symbolbild KI

Mit dem Slogan „Willkommen auf dem Sozialportal Landkreis Haßberge!“ wirbt die Plattform „Sozialportal-Mainfranken.de“ um Nutzerinnen und Nutzer. Sie kündigt an, Informationen, passgenaue Hilfsangebote und Dienstleistungen aus der Region bereitzustellen. Der Anspruch ist hoch: Die Suche nach Unterstützung im Alltag solle einfach, schnell und effizient möglich sein, heißt es in der Projektbeschreibung.

Ende November 2025 wurde das Angebot per Bezahlartikel in einer Haßfurter Lokalzeitung als digitaler Helfer angepriesen, der einen umfassenden Überblick über soziale und gewerbliche Dienstleister bieten könne. Die Plattform richte sich demnach an alle Generationen und wolle Orientierung im Alltag geben.

Ein Blick auf die tatsächlichen Inhalte der Website wirft jedoch Fragen auf. Unter der Rubrik „Aktuelles“ [➚] findet sich als jüngster Eintrag eine Information zur Asiatischen Tigermücke – datiert auf den 8.12.25. Andere Bereiche wirken noch weniger aktuell: So führt etwa ein Link zur Verwaltungsgemeinschaft Ebern ins Leere und endet auf einer Fehlerseite.

Besonders auffällig sind die Angaben zu Einrichtungen und Dienstleistungen vor Ort. Für Ebern listet das Portal lediglich einen Hausarzt auf, obwohl tatsächlich mehrere Praxen existieren. Auch im Bereich der Physiotherapie wird nur ein Anbieter genannt, während weitere fehlen. Eine Logopädie-Praxis wird gar nicht aufgeführt. Ähnlich lückenhaft erscheinen die Angaben bei Bestattungsunternehmen oder Medizinischen Versorgungszentren (MVZ).

Zusätzlich sorgen fehlerhafte Einträge für Irritationen. So wird für Ebern eine Drogerie am Marktplatz [➚] mit der Hausnummer 91 genannt – ein Geschäft, das es dort weder aktuell noch in der Vergangenheit gegeben hat. Auch die angegebene Adresse existiert nicht, da die Hausnummern am Eberner Marktplatz diese Höhe nicht erreichen. Beim örtlichen Altenheim verweist das Portal zudem auf einen früheren Standort, obwohl die Einrichtung längst umgezogen ist.

Die aufgeführten Angebote wirken uneinheitlich zusammengestellt, ein klarer Nutzen für die Suche nach Dienstleistungen ist schwer erkennbar. Dabei formuliert das Projekt selbst ambitionierte Ziele. Das Sozialportal sei als Weiterentwicklung eines technisch veralteten Vorgängers gedacht und solle einen strukturierten Überblick über soziale, pflegerische und gewerbliche Angebote bieten. Auch ehrenamtliche Initiativen wie Nachbarschaftshilfen oder Vereine sollten sich dort präsentieren können. Betrieben werde das Projekt überwiegend ehrenamtlich, die laufenden Kosten würden durch Beiträge der gelisteten Anbieter gedeckt. Diese müssten einen jährlichen Betrag von 35,00 Euro zahlen, um aufgenommen zu werden.

Vor diesem Hintergrund erklärt sich möglicherweise, warum die Datenlage unvollständig bleibt: Nur wer sich registriert und bezahlt, erscheint im Verzeichnis. Dennoch bleibt offen, weshalb fehlerhafte Einträge oder offensichtlich nicht existierende Adressen ihren Weg auf die Plattform gefunden haben. Ebenso wirft die Rolle des Landkreises Haßberge als „Kooperationspartner“ Fragen auf, da das Portal trotz dieses Anspruchs keinen verlässlichen Überblick über die tatsächliche Versorgungsstruktur bietet.


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