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Das Hallenbad in Zeil ist seit 2019 dicht, der Schwimmunterricht im Landkreis eine logistische Mammutaufgabe. Während über ein 30-Millionen-Euro-Ganzjahresbad debattiert wird, schrumpfen die Schwimmfähigkeiten der Grundschüler. Dabei liegt die Lösung möglicherweise direkt vor der Haustür – genauer gesagt: im Main.
Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, wie die kommenden Winter für die Grundschulen in und um Eltmann aussehen werden: Statt Seepferdchen und Bronze-Abzeichen steht für die Kinder vor allem eines auf dem Lehrplan: Busfahren. Seit der Schließung des Hallenbads im benachbarten Zeil am Main herrscht im Landkreis akuter Notstand an winterlichen Wasserflächen. Die Kinder werden zu „Trockenschwimmern“.
Natürlich gibt es da diesen Traum vom großen „Allianzbad“. Ein modernes Ganzjahresbad, das irgendwann am Eltmanner Freibadgelände entstehen soll. Kostenpunkt: rund 30 Millionen Euro. In Zeiten klammer kommunaler Kassen und ohne feste Zusage über staatliche Millionenzuschüsse ist dieses Großprojekt vor allem eines: Zukunftsmusik, die noch viele Jahre auf sich warten lassen dürfte. Doch die Schulen brauchen jetzt eine Lösung. Nicht erst in den 2030er-Jahren.
Was andernorts längst funktioniert
Warum also nicht groß denken, indem man das Bestehende nutzt? Das Freibad Eltmann verfügt über ein kombiniertes Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken. Im Winter liegt es brach, wird für viel Geld eingewintert und wartet auf den Mai. Würde man dieses Becken im Oktober mit einer modernen, mehrlagigen Traglufthalle überspannen, hätte die Region im Handumdrehen ein vollwertiges Winter-Hallenbad.
Dass diese Idee keineswegs eine utopische Spinnerei ist, beweisen andere Kommunen in Deutschland seit Jahren eindrucksvoll. In Bonn-Friesdorf [➚] verwandelt sich das dortige Freibad jeden Winter pünktlich in ein Hallenbad, um den Schwimmsport zu sichern. Die Stadt Frankfurt am Main rettet im Stadtteil Nieder-Eschbach [➚] den Schwimmunterricht für Vereine und Schulen mit genau so einer aufblasbaren Konstruktion. Und als in Eschweiler [➚] das reguläre Hallenbad durch Hochwasserschäden unbrauchbar wurde, fackelte man nicht lange: Eine Traglufthalle über dem Freibad-Becken sprang als vollwertiger Winterersatz ein. Was im Rheinland und in Hessen funktioniert, sollte im Maintal doch wohl auch möglich sein.
Erst die Basis, dann die Halle
Nun ist das Eltmanner Bad im jetzigen Zustand bekanntlich eine amtliche Dauerbaustelle. Sich lösende Farbschichten, rissige Spachtelungen und marode Beckenrandsteine machen den Verantwortlichen im Bauausschuss regelmäßig zu schaffen. Bevor man also überhaupt an ein Luftzelt denken kann, muss das Fundament stimmen.
Hier hilft kein Schönreden, sondern nur Geld: Eine solide, pragmatische Sanierung des Beckens – ohne Prunk und Luxus, sondern rein fokussiert auf Dichtigkeit, Filtersysteme und Betonstabilität – würde schätzungsweise vielleicht rund eine Million Euro verschlingen. Erst wenn das Becken dicht ist und den Belastungen standhält, kann das Winterprojekt starten. Doch diese Million ist ohnehin fällig, wenn man das Freibad nicht komplett verkommen lassen will.
Die Antwort liegt im Fluss
Ist das Becken erst einmal repariert, entfaltet das Traglufthallen-Konzept seine wahre Stärke. Das alte Totschlagargument gegen solche Hallen waren stets die astronomischen Heizkosten. Wer im Januar eine dünne Folie mit fossilen Brennstoffen warmhalten will, treibt die Gemeinde in den Ruin. Doch die Energiewende bietet heute völlig neue Optionen. Nur ein paar hundert Meter vom Freibad entfernt fließt der Main. Eine moderne Flusswasser-Großwärmepumpe [➚] könnte dem fließenden Gewässer selbst bei Frost restliche Wärme entziehen und das Beckenwasser hocheffizient auf kuschelige 26 Grad heizen. Gekoppelt mit einer automatischen Thermo-Abdeckung, die nachts die Verdunstung stoppt, und integrierten, winterfesten Umkleide-Containern direkt unter der mehrlagigen Hallenhaut, ließen sich die laufenden Betriebskosten auf ein Minimum drücken.
Ein echtes „Allianzbad“: Nachbarn müssen mit ins Boot
Ja, das Gesamte kostet Geld. Schlüsselfertig, funktionstüchtig und autark gerechnet – also inklusive der fälligen Becken-Sanierung, den Fundamenten, der Traglufthalle, der Main-Wärmepumpe und den Sanitäranlagen – müsste man mit einer Investition von grob geschätzt vier bis fünf Millionen Euro kalkulieren.
Hier kommt die kommunale Zusammenarbeit ins Spiel. Wenn das Projekt schon unter der Flagge des geplanten „Allianzbads“ laufen soll, darf Eltmann mit den Kosten nicht allein gelassen werden. Die Not beim Schulschwimmen betrifft schließlich die umliegenden Nachbarkommunen genauso. Wenn sich die Gemeinden, deren Schulen künftig in Eltmann – statt wie früher in Zeil – ihre Bahnen ziehen, fair an den Investitions- und Betriebskosten beteiligen, bricht die finanzielle Last für niemanden ein unermessliches Loch in den Haushalt.
Fünf Millionen Euro für ein sofort einsatzbereites, saniertes Winterschwimmbad sind – aufgeteilt auf mehrere Schultern – im Vergleich zu einem ungewissen 30-Millionen-Neubau ein echtes Schnäppchen. Es wäre eine Investition, die sich nicht in repräsentativen Prunkbauten misst, sondern in der Sicherheit unserer Kinder. Wenn die Allianz Mut beweist, das Freibad nicht länger als reine Sommerbaustelle begreift, sondern als energetisches Ganzjahressystem, dann könnte die Maintal-Region das Problem des Schulschwimmens im Alleingang lösen. Alles, was es dafür braucht, ist ein saniertes Becken, ein bisschen warmer Main-Strom, eine starke interkommunale Zusammenarbeit und eine gehörige Portion Luft.

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