Eine neue Anlage ist in Betrieb, zwei ältere Windräder stehen still. Weitere Projekte sind (noch) nicht in Sicht. Zugleich wird es für Investoren schwieriger, die Wirtschaftlichkeit neuer Windparks einzuschätzen. Was bedeutet das für die Energiewende zwischen Ebern und Untermerzbach?
Am Bretzenstein ist die Energiewende schon lange sichtbar – abgeschlossen ist sie damit noch nicht. Eine neue Windenergieanlage hat im August 2025 die Stromproduktion aufgenommen, zwei ältere Windräder stehen weiterhin ungenutzt daneben. Ob sie bald verschwinden und weitere Anlagen hinzukommen, ist offen. Zwar ist das Gebiet als Windvorranggebiet W 115 ausgewiesen, konkrete Bauvorhaben gibt es bislang aber nicht.
Zwar ist ein Flächen-Pooling eingeleitet worden. Dabei geht es darum, Grundstücke für eine mögliche Windenergienutzung zusammenzuführen. Die Stadt Ebern und die Gemeinde Untermerzbach haben angekündigt, nach Unternehmen suchen – „Vergabegruppe“ – zu wollen, die weitere Windräder errichten könnten.
Damit steht der Bretzenstein vor einer entscheidenden Phase: Aus planerischen Voraussetzungen könnten konkrete Vorhaben werden. Dafür braucht es aber Projektentwickler, Genehmigungen, einen gesicherten Netzanschluss und vor allem eine Finanzierung, die auch dann trägt, wenn die Einnahmen hinter den Erwartungen zurückbleiben.
Wenn viel Strom wenig Geld bringt
Gerade die Wirtschaftlichkeit wird für neue Windparks zu einer anspruchsvollen Rechnung. Denn Wind und Sonne liefern nicht unbedingt dann besonders viel Strom, wenn die Nachfrage hoch ist. Scheint im Sommer die Sonne und weht gleichzeitig kräftiger Wind, kann das Angebot zeitweise größer sein als der Bedarf. An der Strombörse fallen die Preise dann mitunter ins Negative.
Für Betreiber neuer Anlagen könnte das zum Problem werden. Laufende Kosten, Kredite und Wartung müssen bezahlt werden, auch wenn der Strom zeitweise nur geringe Erlöse bringt. Wie stark sich negative Preise auswirken, hängt allerdings von den jeweiligen Förderbedingungen und Vermarktungsverträgen ab. Nicht jeder Betreiber muss deshalb automatisch für die Einspeisung bezahlen.
Deutlich wird dennoch: Ein Windrad produziert nicht einfach Strom und garantiert damit sichere Einnahmen. Entscheidend ist auch, zu welchen Preisen sich die erzeugte Energie verkaufen lässt. Netze und Speicher können helfen, Angebot und Nachfrage besser auszugleichen. Für Investoren bleibt aber die Frage, wie sich die Strompreise über die gesamte Laufzeit einer Anlage entwickeln.
Neue Anlagen, andere Spielregeln
Auch die staatliche Förderung ist für die Kalkulation wichtig. Ältere Windräder können noch unter Bedingungen fallen, die zum Zeitpunkt ihrer Inbetriebnahme galten. Neue Anlagen können ebenfalls eine EEG-Förderung erhalten. Mit dem im Februar 2025 in Kraft getretenen Solarspitzengesetz [➚] (Gesetz zur Änderung des Energiewirtschaftsrechts zur Vermeidung von temporären Erzeugungsüberschüssen) wurden jedoch die Regeln für bestimmte Neuanlagen bei negativen Strompreisen verschärft. Unter den gesetzlichen Voraussetzungen kann die Förderung für entsprechende Zeiträume entfallen.
Von einem generellen Ende der Förderung kann zwar keine Rede sein. Trotzdem können sich die Rahmenbedingungen für neue Projekte von denen älterer Windparks unterscheiden. Hinzu kommen geplante Änderungen bei Förderung und Netzanschluss, deren konkrete Auswirkungen davon abhängen, welche Regelungen tatsächlich in Kraft treten.
Für Banken und Projektentwickler wird es damit wichtiger, mögliche Risiken von Anfang an einzukalkulieren. Wenn Einnahmen unsicherer erscheinen, können Kreditgeber höhere Eigenkapitalanteile verlangen oder Projekte kritischer bewerten. Vorhaben werden dadurch nicht zwangsläufig unrentabel, ihre Finanzierung kann aber schwieriger werden.
Sailershausen: Bürgerwindkraft braucht Geduld
Wie lang der wirtschaftliche Atem bei einem Bürgerwindpark sein muss, zeigte der Blick nach Sailershausen. Der Bürgerwindpark im Landkreis Haßberge mit zehn Windenergieanlagen ging 2015 in Betrieb. Wie sich die Beteiligung für die Bürger tatsächlich entwickelt hat, lässt sich allerdings nur anhand der Geschäftsberichte und konkreter Finanzdaten zuverlässig beurteilen.
Grundsätzlich ist die Rechnung bei solchen Projekten langfristig angelegt. Hohe Anfangsinvestitionen werden häufig über Kredite finanziert. Zins und Tilgung, Betriebskosten und Rückstellungen schmälern zunächst den finanziellen Spielraum. Erst wenn sich die Finanzierung entspannt und die Erträge stimmen, kann mehr Geld für Ausschüttungen zur Verfügung stehen.
Für Bürger, die sich an einem neuen Windpark beteiligen wollen, ist deshalb nicht allein die versprochene Rendite entscheidend. Ebenso wichtig sind die Höhe der Kredite, realistische Ertragsprognosen und ausreichende Rücklagen. Eine Beteiligung an der Energiewende kann sich lohnen – sie ist aber keine risikofreie Geldanlage.
Wenn die Finanzierung zur Hürde wird
Wie ernst die Branche die künftigen Rahmenbedingungen nimmt, zeigte sich auch im September 2026. Der Bundesverband WindEnergie berichtete kürzlich über Warnungen [➚] von Banken vor möglichen Folgen geplanter Änderungen für die Finanzierung von Windenergieprojekten. Steigen die Risiken aus Sicht der Kreditgeber, kann das die Umsetzung neuer Vorhaben erschweren.
Für den Bretzenstein bedeutet das nicht, dass ein konkretes Projekt bereits an der Finanzierung gescheitert wäre. Dafür gibt es bislang noch gar keine benannten Projektentwickler. Die Entwicklung zeigt aber, warum das ausgewiesene Windvorranggebiet W 115 allein nicht ausreicht, um neue Anlagen auf den Weg zu bringen.
Auch private Anleger sollten genau hinschauen. Bei Nachrangdarlehen kann das eingesetzte Geld im Insolvenzfall vollständig verloren gehen. Genossenschaftsanteile sind ebenfalls keine Garantie für eine sichere Rendite. Eine breitere Verteilung auf mehrere Projekte kann Risiken verringern, beseitigt sie aber nicht. Entscheidend sind die wirtschaftliche Tragfähigkeit und die konkreten Bedingungen der Beteiligung.
Speicher sind kein Allheilmittel
Batteriespeicher könnten helfen, Strom bei niedrigen Preisen aufzunehmen und später zu verkaufen. Ob sich das rechnet, hängt jedoch von den Preisunterschieden, den Investitionskosten und der tatsächlichen Nutzung ab. Ein Speicher kann die Vermarktung flexibler machen, aber keine wirtschaftlichen Probleme automatisch lösen.
Am Bretzenstein steht ohnehin zunächst eine andere Frage im Vordergrund: Findet sich ein Unternehmen, das weitere Windräder tatsächlich bauen will? Das Flächen-Pooling und die Suche nach Projektpartnern sind dafür wichtige Voraussetzungen. Bis aus diesen Vorbereitungen ein konkretes Bauvorhaben wird, bleibt allerdings noch einiges zu tun.
Der Bretzenstein zeigt damit die zwei Seiten der Energiewende: Der politische und planerische Wille zum Ausbau ist vorhanden, doch neue Windräder müssen auch wirtschaftlich tragfähig sein. Ob dort weitere Anlagen entstehen, entscheidet sich nicht allein auf der Karte der Vorranggebiete, sondern erst dann, wenn Planung, Finanzierung und die Bedingungen am Strommarkt zusammenpassen.

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