Ein neuer Weg durch die Vergangenheit: Wandern zwischen Autenhausen und Ebern

Symbolbild KI

Zwischen Autenhausen und Ebern erstreckt sich mit dem sogenannten Paradiesweg [➚] ein neuer Wanderweg, der Naturerlebnis und regionale Geschichte eng miteinander verknüpft. Die Route folgt den Spuren jüdischen Lebens in der Region und verbindet insbesondere die historischen Friedhöfe beider Orte. Ihren Namen verdankt die Strecke einem Flurstück bei Ebern, auf dem sich der dortige jüdische Friedhof befindet. Dieser wurde bereits nach einem Stadtbrand im Jahr 1430 angelegt und später von der jüdischen Gemeinde erworben. Eingebettet in eine waldreiche Umgebung und umgeben von blühenden Pflanzen wie Akelei und Nadelkissenblumen entfaltet der Ort vor allem in den warmen Monaten eine eindrucksvolle Atmosphäre.

Die Grabsteine auf dem Eberner Friedhof gelten als außergewöhnlich detailreich. Ihre Inschriften, die im Heimatmuseum in deutscher Übersetzung zugänglich sind, geben Einblicke in die Lebensgeschichten der Verstorbenen und spiegeln zugleich die kulturelle Prägung der Region wider. Zu den ältesten erhaltenen Steinen zählen zum Beispiel jene für die beiden Autenhausener Frauen namens Keile und ihrer Tochter Zippora, die in den Jahren 1670 und 1671 verstarben. Ihre Bestattung in Ebern verweist darauf, dass kleinere Gemeinden der Umgebung damals noch keine eigenen Begräbnisstätten besaßen.

Die jüdische Geschichte von Autenhausen reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Damals hatte ein Zisterzienserabt einer kleinen Gruppe jüdischer Viehhändler die Ansiedlung erlaubt. In der Folge entwickelte sich über mehr als zwei Jahrhunderte hinweg eine lebendige Gemeinde, die im 19. Jahrhundert einen erheblichen Teil der Bevölkerung stellte. Um die Jahrhundertwende setzte jedoch eine Abwanderung ein, die viele Familien in größere Städte oder ins Ausland führte. Das Ende jüdischen Lebens im Ort kam im November 1923, als die letzten verbliebenen Familien nach einem gewaltsamen Übergriff ihre Heimat verließen.

Der Paradiesweg selbst führt durch abwechslungsreiche Landschaften: von offenen Flächen im Rodachtal über lichte Wälder bis hin zu geschützten Naturgebieten. Entlang der Strecke liegen zahlreiche Stationen, darunter der jüdische Friedhof in Autenhausen, die Muggenbacher Tongruben als Naturschutzgebiet sowie historische Bauwerke wie die Burgruine Lichtenstein und die Felsenburg Rotenhan. Auch kleinere Orte und kulturelle Pfade werden eingebunden, wodurch sich ein dichtes Netz aus Natur- und Geschichtserlebnissen ergibt.

Der Wegverlauf ist dabei sorgfältig ausgeschildert und nutzt teilweise bestehende Themenrouten. Wanderer passieren Aussichtspunkte mit Blicken ins Coburger Land und gelangen schließlich bis in die Altstadt von Ebern. Der Rückweg führt über weitere Stationen jüdischer Geschichte, darunter Friedhöfe und eine ehemalige Synagoge, und verbindet unterschiedliche Landschaftsräume miteinander. Startpunkt ist Autenhausen, erreichbar unter anderem per Busverbindung aus Coburg, wobei auch Parkmöglichkeiten vor Ort zur Verfügung stehen.


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