Mit Beginn der warmen Jahreszeit sind auch die Schwalben aus ihren Winterquartieren zurückgekehrt. Doch die gefiederten Sommerboten sind längst nicht mehr überall so häufig anzutreffen wie früher. Um mehr über die Entwicklung der Bestände zu erfahren, startet die Ortsgruppe Ebern des Bund Naturschutz erneut eine umfangreiche Schwalbenzählung. Die Aktion soll dabei helfen, einen Überblick über die Verbreitung von Rauch- und Mehlschwalben im Eberner Land zu gewinnen und Veränderungen im Vergleich zu früheren Erhebungen sichtbar zu machen.
Die Naturschützer weisen darauf hin, dass sich die Lebensbedingungen für beide Schwalbenarten in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verschlechtert haben. Deshalb ist die Mithilfe der Bevölkerung gefragt. Ziel der Erfassung ist es, möglichst viele Ortschaften in Ebern und Umgebung in die Bestandsaufnahme einzubeziehen. Gezählt werden sowohl die besetzten Nester der Mehlschwalben an Hausfassaden als auch die Nester der Rauchschwalben in Ställen und landwirtschaftlichen Gebäuden. Dabei komme es nicht allein auf die Anzahl der vorhandenen Nester an. Häufig befänden sich mehrere Nester an einer Hauswand, von denen jedoch nur ein Teil tatsächlich genutzt werde.
Jede Meldung kann wertvolle Hinweise liefern. Besonders hilfreich sei es nach Angaben des Bund Naturschutz, wenn ganze Orte systematisch erfasst würden. Entsprechende Erfassungsblätter [➚] stehen auf der Internetseite der Ortsgruppe zur Verfügung. Auch einzelne Hinweise auf Schwalbenvorkommen seien willkommen und könnten per E-Mail an die Naturschützer übermittelt werden.
Von besonderem Interesse ist für die Initiatoren der Vergleich mit früheren Daten. Bereits in den 1990er-Jahren waren im Eberner Bereich Schwalbenbestände erfasst worden. Die nun eingehenden Meldungen bieten die Möglichkeit, Entwicklungen über einen Zeitraum von rund 35 Jahren nachzuzeichnen. Damalige Untersuchungen hätten bereits gezeigt, wie eng das Vorkommen der Tiere mit den jeweiligen Umweltbedingungen verknüpft ist.
So habe sich beispielsweise in einzelnen Ortschaften bemerkbar gemacht, wenn landwirtschaftliche Betriebe ihre Milchwirtschaft aufgaben. In den Folgejahren sei dort oftmals auch die Zahl der Rauchschwalben zurückgegangen. Diese Vogelart ist auf offene Zugänge zu Ställen und ähnlichen Gebäuden angewiesen, da sie ihre Nester im Inneren errichtet. Bereits ein dauerhaft gekipptes oder leicht geöffnetes Fenster könne den Tieren den Zugang erleichtern und damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Brutplätze leisten.
Neben dem Verlust geeigneter Nistmöglichkeiten sehen die Naturschützer weitere Herausforderungen. Immer wieder werde versucht, Schwalben von Gebäuden fernzuhalten. Nach Angaben des Bund Naturschutz sollten unter Dachvorsprüngen keine schwalbenabweisenden Vorrichtungen angebracht und begonnene Nester nicht entfernt werden. Werden die Vögel während der Brutzeit vertrieben, müssten sie mit dem Nestbau erneut beginnen. Dadurch verzögere sich die Aufzucht des Nachwuchses. Die Jungvögel hätten dann weniger Zeit, sich ausreichend für den weiten Zug in die Winterquartiere zu entwickeln.
Auch moderne Bauweisen erschwerten den Schwalben zunehmend das Leben. Glatte Fassaden und neue Außenputze böten häufig nicht mehr die notwendigen Haftungsmöglichkeiten für die aus Lehm errichteten Nester. Hinzu komme, dass Erschütterungen durch den Straßenverkehr die Stabilität der Nester beeinträchtigen könnten. In manchen Fällen lösten sich die Bauwerke wieder von den Hauswänden und stürzten mitsamt der Brut ab.
Gleichzeitig gibt es zahlreiche Beispiele dafür, wie Hausbesitzer den Tieren helfen können. Als besonders vorbildlich bewertet der Bund Naturschutz die Anbringung von Nisthilfen an Gebäuden. Kotbretter unter den Nestern könnten dabei Verschmutzungen an Fassaden und auf Gehwegen verhindern. Zudem sei es hilfreich, wenn in der Nähe feuchte Stellen mit geeignetem Lehmmaterial vorhanden seien. Dort finden die Vögel den Baustoff, den sie für ihre kunstvollen Nester benötigen. Künstliche Nester könnten insbesondere spät eintreffenden Schwalben den Start in die Brutsaison erleichtern und verlorene Zeit ausgleichen.
Schwalben gelten seit Jahrhunderten als enge Begleiter des Menschen. Als sogenannte Kulturfolger suchen sie gezielt die Nähe von Siedlungen und landwirtschaftlichen Anwesen. In vielen Regionen werden sie bis heute als Glücksbringer angesehen. Umso größer sei die Freude vieler Naturfreunde, wenn sich die eleganten Flieger unter einem Dach niederließen und dort erfolgreich brüteten.
Die aktuelle Schwalbenzählung soll nach Angaben des Bund Naturschutz bis zu 30 Ortschaften umfassen. Neben der allgemeinen Bestandserfassung richtet sich der Blick auch auf einen besonders bedeutenden Standort innerhalb der Stadt. Dabei handelt es sich um die einst größte Mehlschwalbenkolonie Eberns am ehemaligen Gasthof Post.
Dort laufen die Bemühungen zum Erhalt der Kolonie weiterhin. Nach dem Abriss des früheren Gebäudes waren Ersatzmaßnahmen geschaffen worden. Dazu gehörten eine provisorische Rückwand sowie weitere Vorrichtungen, die den Schwalben als Nistmöglichkeit dienen sollen. Während die Bautätigkeiten in diesem Bereich andauern, wird nun aufmerksam verfolgt, ob die Vögel die angebotenen Alternativen weiterhin annehmen. Erste Erkenntnisse lassen nach Angaben der Naturschützer bislang noch keine eindeutige Einschätzung zu.
Mit der neuen Erfassungsrunde hofft der Bund Naturschutz auf zahlreiche Rückmeldungen aus der Bevölkerung. Jede dokumentierte Brutstätte und jedes gemeldete Schwalbenvorkommen können dazu beitragen, ein genaueres Bild über die Situation der heimischen Bestände zu gewinnen und langfristige Entwicklungen sichtbar zu machen.

Kommentare
Kommentar veröffentlichen