Ebern im TUI-Freibad-Ranking: Solider Platz mit Luft nach oben

Wer in Ebern im Sommer gerne seine Bahnen zieht oder sich an heißen Tagen im kühlen Nass erfrischt, kann sich über eine Platzierung im bundesweiten Freibad-Ranking von TUI durchaus freuen. Platz 398 für das Eberner Freibad klingt zunächst nicht nach einem Spitzenwert, ist aber bei mehr als 1.000 bewerteten Schwimmbädern in ganz Deutschland keineswegs ein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Andererseits zeigt der Blick auf die Nachbarschaft auch: Nach oben ist durchaus noch Luft. Einige Freibäder der Region haben es deutlich weiter nach vorne geschafft und mischen in der deutschlandweiten Wertung überraschend weit oben mit. Mit seinem aktuellen Freibad-Ranking [➚] für das Jahr 2026 hat der Reisekonzern TUI einen umfangreichen Vergleich der beliebtesten Freiluft-Badestätten Deutschlands veröffentlicht. Dafür wurden nach Unternehmensangaben mehr als 1.500 Freibäder und Naturbäder anhand ihrer Google-Bewertungen untersucht. In die endgültige Auswertung schafften es über 1.000 Anlagen. Die P...

Trinkbrunnen in Stadt und Landkreis: Was eine Studie aus Bamberg offenlegt


Wer sich in der Kommunalpolitik in schönes Licht rücken möchte, greift gerne zu Themen, die gleichermaßen sichtbar, alltagsnah und positiv besetzt sind. Öffentliche Trinkbrunnen gehören zweifellos dazu. Sie kosten vergleichsweise wenig, vermitteln Bürgernähe und lassen sich hervorragend mit Schlagworten wie Gesundheitsschutz, Nachhaltigkeit und Klimaanpassung verbinden. Als 2024 zum Beispiel der „leitungswasserfreundliche Main-Radweg“ [➚] mit großem Presseecho vorgestellt wurde, schien die Idee auf den ersten Blick ebenso einfach wie überzeugend: Entlang der Strecke sollten öffentliche Trinkbrunnen und sogenannte Refill-Stationen dafür sorgen, dass Radfahrer ihre Wasserflaschen kostenlos mit Leitungswasser auffüllen können.

Ein Blick auf die Praxis zeigt jedoch, dass zwischen guter Idee und tatsächlicher Nutzung oftmals eine bemerkenswerte Lücke liegt. Die Internetseite der „Gesundheitsregion“ Haßberge [➚] listet überhaupt mehrere Refill-Stationen auf. Auffällig ist dabei, dass Ebern nicht darunter zu finden ist. Stattdessen wird unter anderem das Burgen-Informationszentrum Altenstein bei Ebern als entsprechende Anlaufstelle genannt. In Ebern selbst existiert allerdings durchaus ein öffentlicher Trinkwasserbrunnen. Er befindet sich in den Anlagen an der Stadtmauer und steht grundsätzlich allen Passanten zur Verfügung.

Die meisten ausgewiesenen Refill-Stationen im Landkreis Haßberge befinden sich zudem in oder an öffentlichen Einrichtungen. So können Besucher beispielsweise beim Bürgerbüro des Landratsamtes Haßberge ihre Trinkflaschen auffüllen. Im privatwirtschaftlichen Bereich scheint das Konzept dagegen bislang nur geringe Verbreitung gefunden zu haben. Gaststätten, Cafés oder andere gewerbliche Betriebe tauchen in den entsprechenden Verzeichnissen kaum auf. Dabei könnte gerade dort das Angebot für viele Menschen besonders niedrigschwellig erreichbar sein.

Dass die Nutzung öffentlicher Trinkwasserangebote hinter den Erwartungen zurückbleibt, beschäftigt inzwischen auch die Wissenschaft. Gerade in Zeiten zunehmender Hitzebelastung gewinnt die Frage an Bedeutung, wie Menschen unterwegs zuverlässig mit Trinkwasser versorgt werden können. Die ersten heißen Tage des Jahres 2026 mit Temperaturen von 30 Grad und mehr haben erneut deutlich gemacht, welche Rolle frei zugängliche Wasserquellen im öffentlichen Raum spielen können.

Forscher und Forscherinnen der Universität Bamberg [➚] haben sich deshalb genauer angesehen, warum viele öffentliche Trinkbrunnen trotz ihrer Verfügbarkeit erstaunlich selten genutzt werden. Ihre Untersuchung wurde in der renommierten Fachzeitschrift Nature Water [➚] veröffentlicht und liefert interessante Einblicke in die psychologischen Mechanismen hinter alltäglichen Entscheidungen.

Im Mittelpunkt steht dabei ein Schutzmechanismus des Menschen, der potenzielle Gesundheitsgefahren möglichst früh erkennen soll. Robert Bruckmann von der Juniorprofessur für Gesundheitspsychologie der Universität Bamberg erklärte, das menschliche Schutzsystem sei darauf ausgelegt, Erkrankungsrisiken in wechselnden Umgebungen rasch einzuschätzen. Im Alltag habe dies eine wichtige Schutzfunktion. Allerdings könne derselbe Mechanismus auch dazu führen, dass sichere Quellen gemieden würden, wenn deren Unbedenklichkeit nicht eindeutig erkennbar sei.

Die Wissenschaftler untersuchten dieses Phänomen zunächst mithilfe einer repräsentativen Befragung. Daran nahmen 1.095 Menschen teil. Rund 60 Prozent gaben an, in Deutschland noch nie einen öffentlichen Trinkbrunnen genutzt zu haben. Besonders auffällig war der Zusammenhang zwischen der Nutzung und der Sorge vor möglichen Verunreinigungen. Je stärker die Befragten eine mögliche Kontamination befürchteten, desto geringer fiel die Wahrscheinlichkeit aus, dass sie jemals aus einem öffentlichen Trinkbrunnen getrunken hatten.

Dabei handelt es sich keineswegs um eine völlig unbegründete Sorge. Schließlich lässt sich für den einzelnen Nutzer oft nur schwer einschätzen, in welchem Zustand sich ein Wasserauslass befindet. Wer kann schon mit Sicherheit sagen, ob eine Entnahmestelle kurz zuvor sachgemäß genutzt wurde oder ob möglicherweise Verunreinigungen vorliegen? Auch wenn die technischen und hygienischen Anforderungen an öffentliche Trinkwasseranlagen in Deutschland hoch sind, bleibt für viele Menschen ein Rest an Unsicherheit bestehen.

Um herauszufinden, wie sich diese Unsicherheit verringern lässt, beschränkten sich die Forscher und Forscherinnen nicht auf Befragungen. Sie führten zusätzlich ein Feldexperiment unter realen Bedingungen in Bamberg durch. Dort wurden vier öffentliche Trinkbrunnen über einen längeren Zeitraum untersucht. Insgesamt flossen 14.128 Nutzungssituationen in die Auswertung ein.

Das Besondere an dem Versuchsaufbau bestand darin, dass jeder Brunnen sowohl mit als auch ohne Hinweisschild betrachtet wurde. Wetterbedingungen und Umgebungstemperaturen blieben dabei vergleichbar. Die Schilder informierten über die Sauberkeit und Sicherheit der jeweiligen Anlage und machten deutlich, dass es sich um kontrollierte Trinkwasserquellen handelte.

Die Auswertung zeigte einen deutlichen Zusammenhang zwischen Beschilderung und Nutzung. Brunnen mit Hinweisschild wurden erheblich häufiger zum Trinken genutzt; statistisch entsprach dies einer um 82 Prozent höheren Chance auf direktes Trinken. Auch Abkühlungsverhalten wurde um 37 Prozent häufiger festgestellt.

Noch interessanter erscheint ein weiterer Befund der Studie. Die Auswertungen deuteten darauf hin, dass Menschen mit klaren Sicherheitshinweisen unabhängiger handelten. Ohne entsprechende Kennzeichnung orientierten sich viele offenbar daran, ob andere Menschen den Brunnen bereits nutzten. Wer sah, dass jemand anderes aus der Quelle trank, schätzte das Risiko geringer ein. Mit deutlichen Informationen über Hygiene und Wartung wurde dieser soziale Orientierungseffekt schwächer. Die Nutzung erfolgte häufiger aus eigener Entscheidung heraus.

Philipp Sprengholz, Mitautor der Untersuchung und Inhaber der Juniorprofessur für Gesundheitspsychologie an der Universität Bamberg, machte deutlich, dass technische Sicherheit allein nicht ausreiche. Städte und Kommunen investierten erhebliche Mittel in ihre Trinkwasserinfrastruktur. Entscheidend sei jedoch nicht nur die Zahl der Brunnen, sondern ebenso deren tatsächliche Nutzung.

Die Erkenntnisse haben auch für die Stadtplanung eine wachsende Bedeutung. Öffentliche Trinkwasserangebote gelten als wichtiger Baustein bei der Anpassung an zunehmende Hitzewellen. Zudem verpflichtet die europäische Trinkwasserrichtlinie die Mitgliedstaaten dazu, den Zugang zu Trinkwasser im öffentlichen Raum zu verbessern. Die Studie legt jedoch nahe, dass Infrastrukturprojekte nur dann ihre volle Wirkung entfalten können, wenn auch psychologische Aspekte berücksichtigt werden.

Die Forscher und Forscherinnen empfehlen deshalb, Sicherheitsinformationen bereits bei der Planung neuer Anlagen mitzudenken. Dazu gehören gut sichtbare Hinweise auf regelmäßige Wartung und Hygiene ebenso wie eine eindeutige Kennzeichnung als Trinkwasserquelle. Auch kontaktlose Nutzungsformen könnten dazu beitragen, mögliche Berührungsängste abzubauen.

Gerade in kleineren Städten und Gemeinden könnte dies künftig eine größere Rolle spielen. Ein Trinkbrunnen wie jener in Ebern erfüllt seinen Zweck schließlich nur dann vollständig, wenn er nicht bloß vorhanden ist, sondern auch genutzt wird. Die Untersuchung aus Bamberg zeigt eindrucksvoll, dass zwischen dem Bau einer Anlage und ihrem Erfolg im Alltag oft nur ein kleines Schild stehen kann – oder eben dessen Fehlen.


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